Sinn und Zweck des Internets

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Liebe User und liebenswerte Userinnen,

heute wollen wir einmal die Frage nach dem Sinn und Zweck unseres Tuns aufwerfen, dann jedoch wieder abfangen und beantworten.

Wie immer gibt es eine triviale und eine die Sache etwas verkomplizierende Lösung.

Zunächst die Triviale:

das Internet ist ein Teil unseres Lebens[¹], somit lautet die Antwort wie immer: 42.

Die komplexe Lösung

lautet nun nicht etwa 6 × 7, 4199958 ÷ 99999 oder etwa gar 1 ÷ arcsin(0.0004155545); nein, um zur wahren Erkenntnis zu gelangen, muß man schon bereit sein, einige unverständlichere, langweiligere, anödendere, ätzendere, absolut uninteressantere, kurz: maßgebliche Gedankengänge nachzuvollziehen[²].

Die Untersuchung

Der Ansatz, den wir heute verfolgen wollen, ist der empirische. Meine ferneren Ausführungen beruhen auf einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung unter UserInnen des Netzes, die vom Institut zur Erforschung des Verhaltens von Primaten in der Nähe elektromagnetischer Felder in Bielefeld durchgeführt wurde. Die ausge+untersuchte Personengruppe war repräsentativ für Deutschland:

Genauere Aufschlüsselung:

Gebrauchs des Netzes

Völlig den Erwartungen der Wissenschaftler als auch denen der Öffentlichkeit zuwider waren die Ergebnisse bzgl. des Gebrauchs des Netzes. So werden Bilder, die die Kopulation von Pferden mit Frauen zeigen, nur von 76% der User angesehen. Viel beliebter sind hingegen Bilder mit Erhängten, wobei die Opfer meist als Systembetreiber oder gar Betriebssystemhersteller[³] identifiziert werden. Noch Erstaunlicher wird das alles, wenn man die Zeit, die zu einer Tätigkeit aufgewendet wird, mit berücksichtigt:

24% Kommunikation mit Außerirdischen,
13% Planung von Verschwörungen gegen den Geheimdienst,
12% virtuelle Rollenspiele,
10% Kontakt zu Gott,
9% Diskussionen über den Umsturz des Kapitalismus,
8% Austausch von Fractal-Bildern,
7% gegenseitges Anflamen,
5% Cybersex,
4% Austausch über schlimme Kindheitserfahrungen,
2% Bitte um Hilfe an den Systembetreiber, einen Anon-Server, den heiligen Geist oder Krischnamurti,
2% vergebliche Bitte von Männern, einer Frau die Stiefel lecken zu dürfen,
1% vergebliche Bitte von Frauen, die Männer mögen sich anständig benehmen,
1% vergebliche Aufrufe von Gläubigen, die anderen mögen sofort Jesus Christus um die Vergebung ihrer Sünden anflehen,
2% Sonstiges.

Zu einzelnen Punkten:

Ältere Menschen

Ein weiteres erstaunliches Ergebnis förderte die Untersuchung zutage: die meisten Leute, die das Internet interaktiv benutzen, sind ältere Menschen.

Das ergibt sich daraus, dass die umfangreichste und meistbeschriebenste Newsgroupsgruppe alt.* heißt, wo sich alte Menschen, deren Enkel nur noch kommen, wenn sie Geld brauchen, deren Pudel überfahren wurde, deren Kanarienvogel gestorben ist, denen die Rente gekürzt wurde und die sich kein Kabelfernsehen leisten können, über ihre Probleme austauschen, z.b. in der von uns untersuchten Group alt.sadistic.dendrists.drill.drill.drill über die enormen Schmerzen, wenn der Zahnarzt das Karies in den dritten Zähnen wegbohren muß.

Eine weitere hervorstechende Gruppe waren überaus seltsame, verschrobene Individuen, die es tatsächlich für sinnvoll hielten, ihre Zeit damit zuzubringen, Texte zu schreiben, in denen sie lang und breit auf der Basis mysteriöser Untersuchungen den Sinn und Zweck des Internets zu ergründen suchten, was ihnen stets völlig mißlang.

Ein zusätzlicher Untersuchungsgegenstand war die Übertragbarkeit von Infektionskrankheiten via DFÜ. Nicht geklärt werden konnte die Bedeutung des Wortes Mozilla; man vermutet jedoch, dass es eine Zusammensetzung aus Mist-Online, baZILLus und Allerlei unnützem bedeutet, was heißen soll, dass es als Verursacher unheilbarer psychischer Abhängigkeit angesehen wird.

Als mindestens ebenso bedenklich werden die vielfach durchs Netz geisternde Viren beurteilt. Deshalb: gebt Aids keine Chance! Kein ungeschütztes Surfen mehr! Rettet die Krankenkassen! Zieht stets mindestens ein Kondom über den Computer!

Die Anzahl der im Netz vertretenen Faschisten, Arschlöcher und ähnlicher Geräte schwankte zwischen 0 und 100%, je nachdem ob man Selbstaussagen oder Fremdtitulierungen zur Untersuchungsbasis machte.

Resumee:

Das Netz wird sich konstruktiv weiterentwickeln und zu Frieden, Freiheit, Fortschritt, direkter Demokratie und allgemeinem Wohlstand führen, denn es ist noch jung, und alle neuen Technologien haben bestimmte Eigenschaften, die sie zwar mit der Zeit ablegen, aber dafür gibt's dann ja immer wieder was anderes. Sehen wir also einer glücklichen Zukunft entgegen, in der sich Verschwörungen von Perversen über die beste Suizidmethode für kommunikationsgestörte Kinder von Mittelerde austauschen werden.

¹) Für manche sogar der gesamte Inhalt

²) Anstatt eine Orgie zu feiern, das Haus zu putzen, eine Mail an die PDS zu schicken oder so...

³) Bill Gates

4) Und zwar mindestens solange schon, seit es das Internet gibt, wahrscheinlich allerdings schon mindestens 100 Jahre mehr

5) So, jetzt haben wir unsere Pflicht getan und können weiterlesen, um uns aufzugeilen. Let's go on!


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