Absurdismus: Das Zorp
Szene: Es ist ein Raum, dessen Wände sich nicht festlegen lassen – mal sind sie aus Glas, mal aus Nebel. Der Boden ist weich, wie der Boden eines Traums, und doch fest genug, um uns in die Irre zu führen. In der Mitte des Raumes steht ein Stuhl. Auf diesem Stuhl sitzt ein Mann in einem zerknitterten Anzug, der ständig das Gefühl hat, dass etwas fehlt. Aber er weiß nicht, was.
Der Mann spricht (langsam, als ob er sich von den Gedanken zu lösen versucht):
„Ich sitze hier und warte… aber ich weiß nicht, was ich erwarte. Ich habe das Gefühl, ich muss nach etwas suchen, aber was? Was gibt es zu finden? Es gibt… es gibt dieses Zorp, das mich verfolgt. Ich habe keine Ahnung, was es ist. Es ist… ein Name? Ein Wesen? Ein Zustand? Ein Gefühl? Vielleicht ist es alles gleichzeitig. Oder… nichts.
Ich habe es heute wieder gehört, irgendwo hinter der Wand, als ich dachte,
dass ich endlich den Weg gefunden hätte. Es schlich um die Ecke, als ob es sich gerade verstecken
wollte, und rief mir zu: Such weiter, du wirst es nie finden!
Aber was? Was soll ich finden? Oder ist es nicht genau das, was Zorp
ist? Die Frage, die immer da ist, aber niemals beantwortet wird?
Ein Rätsel, das uns am Leben erhält, indem es uns nie die Lösung gibt?
Hörst du das auch? Diese Stimme, die im Raum umherirrt, wie ein Echo, das aus dem Nichts kommt?
Sie sagt immer wieder dasselbe: Du suchst nach mir, aber du hast mich schon gefunden.
Du hast niemals nach mir gesucht, du hast immer nach dir selbst gesucht.
Aber was bedeutet das? Was will mir dieser Zorp sagen?
Was hat er mit mir zu tun? Warum ist er immer dort, wo ich nicht bin? Warum entgleitet er mir immer
im Moment des Verstehens, im Moment des Erkennens?
Zorp, das ist… das ist… das Unverständliche. Es ist keine Antwort. Es ist das Fehlen von Antwort, das, was uns dazu treibt, weiter zu suchen. Vielleicht ist das die wahre Bedeutung von Zorp – er ist nicht das Ziel der Reise. Er ist die Reise selbst. Eine Reise, die wir niemals beenden können. Vielleicht bin ich gar nicht hier. Vielleicht existiere ich nur als Teil von Zorp, als sein begleitendes Echo, das nach dem Sinn sucht, der nie kommen wird.“
Pause. Der Mann schaut auf und bemerkt plötzlich einen anderen Stuhl im Raum, auf dem ein zweiter Mann sitzt. Der zweite Mann ist völlig ruhig und sagt nichts.
Hast du auch gehört? Was meinst du?
, fragt der erste Mann.
Der zweite Mann zuckt nur mit den Schultern. Dann sagt er langsam, als ob er es selbst nicht
versteht: Es gibt nichts zu hören. Es gibt nichts zu sehen. Es gibt nichts zu wissen.
Vielleicht ist das alles, was wir je brauchen. Die Frage, die keine Antwort hat.
Du sprichst von Zorp?
, fragt der erste Mann.
Ja, oder vielleicht auch nicht
, antwortet der zweite. Vielleicht ist es nicht wichtig.
Vielleicht ist es der Punkt, dass es nichts zu verstehen gibt. Das Zorp
ist nicht das, was wir suchen. Es ist das, was uns dazu bringt, zu suchen.
Vielleicht sind wir Zorp.
Die Szenerie beginnt sich zu verändern, der Raum wird dunkler. Der erste Mann steht auf und beginnt zu gehen. Der zweite bleibt sitzen.
Es wird immer so weitergehen, nicht wahr?
, fragt der erste Mann,
während er in die Dunkelheit geht.
Immer
, antwortet der zweite Mann, weil es keinen anderen Weg gibt.
Nur der Weg nach Zorp. Und der Weg ist niemals das Ziel.