Das Gnobbelmatsch: Ein Symbol für das Zerfallen der Welt

(Michel Houellebecq)

Er starrte aus dem Fenster. Die Straßen waren wie immer grau, die Bäume in einem Zustand, der weder Winter noch Frühling war – eine Art Übergangszustand, der schon seit Jahren anhielt. Es war das, was man als das Gnobbelmatsch bezeichnete, dieses undefinierbare Etwas, das in der Luft hing, aber nie wirklich greifbar wurde. Es war keine Metapher für das Chaos der Welt – es war das Chaos selbst, und es hatte sich in etwas anderes verwandelt, in etwas, das niemand mehr richtig benennen konnte.

Gnobbelmatsch, sagte François, während er sich einen Kaffee nach dem anderen hineingoss. Der Begriff war ihm irgendwann im Internet begegnet, und wie so viele andere Konzepte, die in der Flut der oberflächlichen Kommunikation auftauchten, hatte er ihn nie wirklich hinterfragt. Das Gnobbelmatsch war einfach da – als hätte es immer schon existiert, als wäre es die Wahrheit hinter all dem, was vorgegeben wurde. Ein Zustand der Leere, der Verwirrung, der Ohnmacht.

Er erinnerte sich an ein Gespräch vor ein paar Jahren. Ein Kollege hatte ihm erklärt, dass das Gnobbelmatsch eine Metapher für die postmoderne Existenz sei, ein Versuch, die alles durchdringende Leere in einer Welt zu benennen, in der es keine bedeutungsvollen Narrative mehr gab. Aber der Begriff war zu vage, zu undeutlich, um wirklich eine Bedeutung zu haben. Er war das Produkt einer Generation, die wusste, dass das Leben leer und absurd war, aber nicht den Mut hatte, es zuzugeben.

Es gibt nichts mehr zu tun, murmelte er, das Gnobbelmatsch ist überall. Die einzige Möglichkeit, zu überleben, ist, sich in ihm einzurichten, zu akzeptieren, dass die Welt keine Struktur mehr hat. Dass das Leben selbst ein feuchtes, undefiniertes Etwas ist, das sich durch alle Zeit zieht.

François hatte keine Angst mehr vor der Leere. Er hatte sie längst akzeptiert, genauso wie er akzeptierte, dass er nie wieder etwas in seinem Leben finden würde, das wirklich von Bedeutung war. Die Frauen, die Arbeit, die Bücher – sie alle waren zu flimmernden, gleichgültigen Schatten geworden. Und das Gnobbelmatsch war der flüssige Überzug, der alles überzog, der die Endgültigkeit der Bedeutungslosigkeit und das Verschwinden von allem, was je als wichtig angesehen wurde, einhüllte.

Die Menschen wollen Antworten, sagte er, aber sie bekommen nur das Gnobbelmatsch. Eine Mischung aus nichts und allem, die sie mehr verwirrt als beruhigt. Und das ist das Schicksal dieser Welt: Wir leben in einem Zustand, der weder gut noch schlecht ist, sondern einfach nur ist.