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Goldrausch
The Gold Rush
Geschrieben von Giovanni Cortese am .
Auf DVD: Goldrausch (The Gold Rush)
Komödie, USA 1925, Regie: Charles Chaplin, mit Charles Chaplin, Mack Swain, Tom Murray, Henry Bergman, Malcolm Waite, Georgia Hale
Inhalt: Alaska gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Abenteurer aus aller Welt strömen ins Land, um nach Gold zu suchen. Auch der aus vielen Filmen bereits bekannte Tramp mit Melone und zu kleinem Anzug versucht sein Glück, muss aber zunächst fürchterlichen Hunger leiden (was zu der berühmten Szene führt, in der er seinen Schuh verspeist). Nach etlichen Gefahren findet er am Ende doch noch eine fruchtbare Mine und - natürlich - eine Schöne, mit der er das viele Gold teilen kann.
Filmhistorisch bedeutsam, weil: Zusammen mit Der große Diktator
(1940) und Moderne Zeiten
(1936) dürfte dies Chaplins berühmtester Film sein.
Bereits zehn Jahre zuvor hatte er die Figur des Tramps etabliert. Doch er war trotz aller
akrobatischen Einlagen keine Slapstickfigur unter vielen. Als mittelloser Underdog war er stets den
Anfeindungen der bösen Welt ausgesetzt, wusste das freilich mit Einfallsreichtum und Trotz zu
meistern. Gerade in den frühen Filmen konnte er dabei relativ skrupellos vorgehen,
und auch später noch, in The Kid
(1921) ließ er einen Waisenknaben Fensterscheiben
einwerfen, um dann als Glaser rein zufällig gleich zur Stelle zu sein. Dabei nahm Chaplin auch immer
eine sozialkritische Perspektive ein, wenn er das Elend der Einwanderer (The Immigrant
,
1917) oder der Frontsoldaten (Shoulder Arms!
, 1918) zeigte.
Dieses Engagement brachte ihm später (nach Moderne Zeiten
) gar den blödsinnigen Vorwurf ein,
er sei ein Kommunist.
Mit Goldrausch
war Chaplin auf der Höhe seiner Kunst - eine Höhe,
die er über den allergrößten Teil seiner langen Filmkarriere erstaunlich konstant zu halten
vermochte. Sein vorangegangener Film,
A Woman of Paris
,
1923) war als ernsthaftes Melodram für ihn absolut untypisch gewesen, und an den Kassen wurde dies
nicht recht honoriert. Goldrausch
bot folgerichtig die Rückkehr des Tramps,
und er war besser denn je. Viele Szenen haben ihren festen Platz in der Ruhmeshalle der
Kinogeschichte. Neben dem schon erwähnten Stiefelmenü sind dies vor allem der Brötchentanz und der
Cliffhanger mit der Hütte am Abgrund (auf solchen Nervenkitzel mochten die Top-Komiker jener
Tage spätestens seit Harold Lloyds
Safety Last!
(1923) und Buster Keatons Sherlock Junior
(1924) nicht mehr verzichten).
Abspann: Der Film wurde ein Riesenerfolg, und Chaplin erstellte später, als die Leute keine Stummfilme mehr sehen wollten, eine Tonfassung mit Kommentar (1942/1956). Heute sind wieder beide Versionen erhältlich, wobei das Original von 1925 den späteren Bearbeitungen haushoch überlegen ist (denn die Qualität eines guten Stummfilms ist ja gerade, dass er ohne viele Worte auskommt).