Milliardenverluste durch Werbeblocker

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Früher einmal arbeitete Werbung mit Verführung, heute mit Vergewaltigung.
Und dann wundern sich die Werbetreibenden noch, dass keine Liebe draus wird.
— Schmidts Katze

Der Tagesspiegel vermeldet unter der Überschrift Milliardenverluste durch Werbeblocker:

Werbeblocker im Internet kosten die Anbieter von Inhalten viel Geld.

Das ist eine sehr originelle Sichtweise. Denn wenn eine Webseitenkomponente nicht angezeigt wird, ist das kostenneutral. Und wenn sie erst gar nicht abgerufen wird, spart das Kosten für Traffic.

Davon unabhängig führen das Nicht-Abrufen und das Nicht-Anzeigen von Inhalten zu einer beträchtlichen Einsparung von Energie; und ist die Reduktion des Energieverbrauchs zur Rettung des Klimers nicht ein gemeinsames Interesse von uns allen? 😎

Allein in diesem Jahr gehen einer Studie zufolge weltweit 21,8 Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen verloren.

Ja. Und mir gehen 64541782465931784 Fantastilliarden verloren, weil niemand mein geniales Produkt Polierte Briketts kaufen will.

Der Tagesspiegel übersieht die offensichtliche Frage: Wenn 21.8 Milliarden an Werbeeinnahmen verloren gehen, wer spart dann 21.8 Milliarden an Ausgaben?

Das sind die Hersteller und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen. Und wären die wirklich so erpicht darauf, noch mehr Kohle für Werbung rauszuhauen, dann entstünde ein Wettbewerb um die Werbeplätze, und der Preis für die Schaltung von Werbung würde steigen.

Doch dem ist offensichtlich nicht so; die Erlöse pro Werbeplatz oder Werbeschaltung sinken kontinuierlich. Und das führt die Milchädchenrechnung der 21.8 Milliarden ad Absurdum.

Für 2016 wird sogar mit Verlusten in Höhe von 41,4 Milliarden Dollar gerechnet.

Ja. Und das steigt exponentiell weiter an, bis 2050 die Verluste der Werbeindustrie die Wertschöpfung der gesamten Welt übersteigen.

Laut der am Montag veröffentlichten Untersuchung „The Cost of Ad Blocking“, die von den Softwareunternehmen Adobe und PageFair erstellt wurde, nutzen in Deutschland schon 18 Millionen Menschen im Internet einen Werbeblocker.

Der Tagesspiegel verzichtet mal wieder wie so viele Medien auf die Verknüpfung der Quellen. Hey Leute, was soll das? Verknüpfungen sind das Kernelement des World Wide Web; sie vereinfachen es dem Nutzer, Hintergrundinformationen, zusätzliche Informationen und Informationen von anderen Autoren zu einem behandelten Thema einzuholen und sich so eine eigene Meinung zu bilden.

Das ist der Job von Medien, das ist Euer Job, zum Teufel noch mal! Und den mache ich jetzt: Sie können den Report hier herunterladen.

Doch zurück zum Thema: Mich irritieren die nur 18 Millionen Nutzer von Werbeblockern, denn für mich sind die meisten Online-Angebote ohne Werbeblocker nicht nutzbar.

Ich meine, was mache ich denn im Web? Ich bin mit irgendeiner Aufgabe beschäftigt und suche dazu Informationen. Wenn ich dabei durch Werbung abgelenkt werde, so stört das meine Konzentration und kostet mich dadurch Zeit, im schlimmsten Fall unterbricht es den Flow. Deshalb werde ich, sollte doch einmal die Werbung zu mir durchdringen, kein Interesse für das beworbene Produkt oder die Dienstleistung entwickeln, sondern Hass auf den Werbetreibenden.

Die für das kommende Jahr prognostizierten noch höheren Verluste werden unter anderem darauf zurückgeführt, dass immer mehr Menschen Werbeblocker auch auf mobilen Endgeräten benutzen werden. Bisher liegt der Anteil hier nur bei 1,6 Prozent.

Schön wärs, wenn mehr Menschen das Netz ohne Werbung nutzen können. Doch gerade bei den Handhelds sieht es schlecht aus.

Denn zum einen werden auf Handhelds immer mehr Apps an Stelle von Browsern genutzt, und da ist Werbung deutlich schwerer zu blockieren:

  • Apps lassen (natürlich) keine AddOns zu; ich kann also nicht Elemente aus dem Erscheinungsbild verstecken.
  • Dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (https) kann ich auch nicht in die Kommunikation eingreifen und da ausfiltern.
  • Es bleibt nur die Möglichkeit, grobschlächtig auf DNS- oder Netzwerk-Ebene ganze Domains oder IP-Netze zu sperren. Das aber kann die App umgehen, wenn der Betreiber die Werbung aus der gleichen Domain und dem gleichen Netz ausliefert wie Daten und Texte.

Zum anderen werden die Betriebssystemhersteller nicht daran gehindert, ihre Browser mit dem Betriebssystem zu bundlen; damit haben sie es leicht, eine Quasi-Monopolstellung einzunehmen, und die werden sie sicher nutzen, um sich einen Teil vom Werbe-Milliarden-Kuchen einzuverleiben.

Im neuen Betriebssystem von Apple für Mobilgeräte, iOS9, das im Herbst erwartet wird, soll ein Werbefilter schon integriert sein. Das könnte das Geschäft mit den Werbeanzeigen im Internet dramatisch verändern, wie es in der Studie heißt.

Ja. Der wird die Werbeanzeigen webblocken, für die kein Schutzgeld an Apple bezahlt wurde. Mit kommerziellem Hintergrung betriebene Werbeblocker führen nur zu noch mehr Konzentration bei den Werbevermarktern.

Massiver Anstieg von Werbeblockern seit 2014

Werbung nervt die Webnutzer schon immer, und so gab es den ersten Werbeblocker schon vor über 20 Jahren. Während die ersten Werbeblocker noch kompliziert zu nutzen waren und eher etwas für Geeks, gibt es seit 2014 uBlock Origin, einen einfach zu installierenden reinen Werbeblocker ohne die Hintertüre Acceptable Adds als Geschäftsmodell.

Dass sich die Zahl der Nutzer von uBlock sich innerhalb der letzten zehn Monaten knapp verzehnfacht hat und dass der Programmcode und die Blocklisten von Freiwilligen gepflegt werden, zeigt überdeutlich den Hass auf Werbung.

Ein installierter Werbeblocker oder Werbefilter entfernt automatisch Werbung von Websites. Der Nutzer bekommt dann entsprechende Texte, Bilder oder Filme nicht mehr zu sehen.

Ja, genau das. Und das ist auch gut so.

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