Reguliert Facebook?

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Am 17. April 2017 veröffentlichte Gastautor Ifis auf Philosophia perennis den Gastbeitrag Reguliert Facebook!

Dazu will ich meine 2.38¢ loswerden:

Reguliert Facebook!

Facebook wurde durch den Staat missbraucht, und die Reaktion darauf ist der Ruf nach mehr Staat? Seid ihr noch zu retten?

Werdet endlich erwachsen!

Das Problem ist nicht Facebook, das Problem ist auch nicht Maas. Das Problem besteht in der zentralen Organisation von Facebook, Twitter und wie sie alle heißen. Zentrale Strukturen sind immanent anfällig für Manipulationen jeglicher Art. Dabei ist das Löschen eines Accounts noch eine der harmlosen Manipulationen, viel heimtückischer ist das teilweise Unterdrücken von Nachrichten durch intelligentes™ Filtern der Nachrichten.

Dazu kommt, dass diese Dienste nicht von den Benutzern, sondern indirekt bezahlt werden; damit kann der Dienst bei geschickter Formulierung der AGB tun und lassen, was er will, ohne dass der Nutzer eine rechtliche Handhabe hat.

Schlimmer noch: selbst wenn der Nutzer eine Handhabe hätte, sitzt der Dienst an einem größenordnungsmäßig längeren Hebel: gegen jeden einzelnen Löschvorgang muss geklagt werden, das kostet, das zieht sich, und der Erfolg ist ungewiss. Wer kann sich einen Steinhöfel leisten?

Während der Dienst eine magische Formel sprechen kann wie:

delete cascading from users where exists (select * from articles a where a.userid=userid and a.text matches 'merkel ist doof')

Wer gewinnt da wohl?

Verlasst diese zentrale Dienste.

Ja, das ist unbequem. Ja, das kostet. Ja, das schmerzt kurzfristig. Ja, das macht Arbeit. Und? Ist euch eure Meinungsfreiheit das nicht wert? Nehmt die Meinungsfreiheit in die eigene Hand. Tut was statt zu winseln und zu betteln.

Das Internet wurde konzipiert, trotz lokaler Ausfälle zu funktionieren, es ist technisch wirklich abhängig nur von wenigen Endpunkten (z.B. den Root-Name-Servern). Wenn aber die halbe Welt ihr virtuelles Leben auf einem halben Dutzend der Internet-Endpunkte verbringt, verschafft sie diesen eine ungeheure Macht. Und wie heißt es so schön:

Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut.

Zigtausende Programmierer aus der ganzen Welt haben Millionen Arbeitsstunden in die Entwicklung von Software-Komponenten gesteckt, die ein dezentrales virtuelles Leben ermöglichen. Das alles für lau.

Eigene Domain selbst verwaltet (und nicht über Web.de, GMX & Co bestellt, weil es da 10¢ billiger ist), möglicherweise über einen Anonymisierungs-Service, ein wenig Webspace mit SSL, gerne auch außerhalb von DE, ein CMS mit Kommentar-Funktion, RSS und Linkback, sowie wenn Echtzeit-Verbreitung wichtig ist, noch ein pubhubsubbub-Dienst — et voilà: Facebook&Co sowie Maas et al. können mich kreuzweise. Selbst wenn sie den Webspace-Provider angreifen: meine Inhalte sind in wenigen Stunden bei einem anderen Dienst wieder online, und das unter gleicher Adresse, um nicht der Links verlustig zu gehen.

Einzig fehlt so die Zahl der Freunde™, Follower, Abonnenten, Likes oder wie auch immer die soziale Währung beim jeweiligen Dienst heißt. So what? Ist das bereits ein Fetisch geworden?

Leute hört auf zu maulen und zu jaulen, hört auf mit Facebook zu diskutieren (Aber ich hab doch gar nix böses geschrieben.); der Feind entscheidet, ob ich sein Opfer werde, und nicht mein Verhalten.

N.N. wurde bei Facebook gesperrt. Ich hab deshalb bei Facebook eine Protestseite eingerichtet! Liked alle!

Merkt ihr wirklich nicht, wie abgrundtief dämlich das ist?

Und nein, man muss nicht Facebook demonstrativ verlassen. Für unterhaltsamen Smalltalk (inklusive niedlicher Katzenbilder) ist Facebook eine geeignete Plattform. Ich würde aber schon die Bilder der niedlichen Katzenkinder, die dummerweise vom ebenso niedlichen Fuchs gerissen wurden, weil der noch niedlichere hungrige Fuchskinder hat, nicht bei Facebook posten.

Politische und kontroverse Inhalte haben bei Facebook nichts verloren. Ich gehe davon aus, dass Facebook solche Beiträge und Accounts sogar mit einem lachenden Auge entfernt, denn das sind genau die, die auch Werbekunden verprellen könnten. Und ob ein Konto oder Inhalt kontrovers ist, entscheidet nicht ihr, das entscheidet Facebook aus eigener Machtvollkommenheit!

Ein Umzug nach VK usw. ist übrigens auch keine Lösung; schaut mal in deren AGBs: alle behalten sich vor, Beiträge und Accounts nach Belieben zu löschen, ja sogar Kosten der Rechtsverfolgung dem Kunden zu belasten.

Werdet endlich dezentral!

(Gepostet zuerst als Kommentar auf philosophia-perennis.com, übearbeitet und Links ergänzt)
Hadmut Danisch: There is no free lunch
Michael Klein @Sciencfiles.org: Wenn ein Konzern sich zum Erfüllungsgehilfen macht, gehen die Kunden

Nachtrag:

Frage:

Verfallen nun auch Twitter und Google Plus dem Zensur-Wahn?

Antwort:

Ja.

Habt ihr was anderes erwartet?

Leute werdet endlich erwachsen.