Mastodon

Geschrieben von am .

Wahnsinn, do jommer och hin.
Wahnsinn, dat darf nit wohr sinn.
Baby, do jommer hin, janz unbedingt.
BAP

Jeder — und sein Hund — schreibt über Mastodon. Da kann ich nicht zurückstehen.

Doch da bereits alles gesagt ist (nur noch nicht von jedem) und mir nichts originelles einfällt, kommentierere ich halt einen anderen Beitrag. Und zwar diesen:

Mastodon: Die Mythen und Zweifel der Twitter-Community

Nachdem Elon Musk Twitter übernommen hat, erfreut sich das #Fediverse und insbesondere #Mastodon einem regen Zulauf.

Ja. So wie vorher identi.ca. Friendica. Diaspora. Gnu Social. Quitter. You name it.

Das schmeckt einigen Twitter-Nutzern offenbar überhaupt nicht und sie verbreiten Mythen bzw. streuen gezielt Zweifel.

Paranoia? Denn mal im Ernst: Welchen Grund sollte jemand haben, Menschen vom Umzug zu Mastodon abzuhalten?

Wenn einer der kleinen Accounts, denen ich folge, umzieht, abonniere ich dessen RSS-Feed. Done. Und große Accounts (denen ich ohnehin aus Prinzip nicht folge) werden, so verrät mir meine Kristallkugel, nicht umziehen, sondern Mastodon als weiteren Kanal bespielen. Weil Aufmerksamkeitshuren nicht auf die Mehrheit ihrer Fanbase verzichten wollen, die Grifter darunter es nicht einmal können.

Anbei ein paar oft genannte Aussagen:

Na die schauen wir uns doch einmal an.

[1] Aussage: Bei Mastodon können Admins alle privaten Nachrichten (DMs) mitlesen. Mastodon hat ein massives Problem mit der Privatsphäre.
  • Das ist auf Twitter nicht anders.

Was den Datenschutz betrifft, ist Mastodon genau so scheiße wie Twitter.

Das ist ein Argument für was genau?

Mastodon blendet sogar einen Hinweis ein: Beiträge auf Mastodon sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Teile keine sensiblen Informationen über Mastodon. Mehr erfahren.

Mastodon weist darauf hin, dass es, was den Datenschutz betrifft, genau so scheiße ist wie Twitter.

Das ist ein Argument für was genau?

[2] Aussage: Mastodon hat keine Suchfunktion.

Gegenbeweis: Mastodon Suche

Ich habe den "Beweis", einen Screenshot, abgetippert (Accessibility) und die Punkte zur Bezugname durchnummeriert:

FORTGESCHRITTENES SUCHFORMAT

  1. #example Hashtag
  2. @username@domain Nutzer
  3. URL Nutzer
  4. URL Trööt
  5. Einfache Texteingabe gibt Beiträge zurück, die Du geschrieben, favorisiert oder geteilt hast.
  6. Außerdem auch Beträge, in denen Du erwähnt wurdest,
  7. aber auch passende Nutzernamen, Anzeigenamen oder Hashtags.

Diesen Beweis™ schauen wird uns doch einmal im Detail an:

  1. Die Suche findet Hashtags, die auf meiner Heimatinstanz verwendet wurden. Sie kann nicht global nach der Verwendung von Hashtags suchen, weil eine einzelne Instanz überhaupt nicht weiß, welche anderen Instanzen es gibt. Das ist der Fluch der Dezentralität.
  2. Die Suche findet eine Nutzer-Id, wenn ich diese Nutzer-Id suche. Das ist wie bei E-Mail: wenn ich eine E-Mail-Adresse eingebe, kann ich an den Besitzer eine E-Mail schreiben. Großartig!
  3. Wenn ich eine URL eingebe, kann ich die URL aufrufen. Fantastisch!
  4. Wenn ich eine URL eingebe, kann ich die URL aufrufen. Phänomenal!
  5. Ich kann nach Beiträgen suchen, die ich bereits kenne. Spektakulär!
  6. Ich kann Beiträge abrufen, deren URL meine Instanz gespeichert hat. Sensationell!
  7. Was der Screenshot verschweigt: ich kann nur nach Nutzernamen und Anzeigenamen suchen, wenn ich eine Instanz auswähle. Und auch bei der Suche nach verwendeten Hashtags muss ich die Instanz vorgeben. Denn eine globale Suche ist – siehe #1 – bei dezentralen Systemen prinzipiell unmöglich. Das ist der Fluch der Dezentralität.

Was ich nicht kann: Global nach Stichworten oder Hashtags suchen.

Doch genau das versteht der gemeine Netznutzer unter Suche.

Globale unscharfe Suche ist eine der Basisfunktionen von Twitter. Aufwendig und teuer im Betrieb. Und genau die Funktion, die keine dezentrale Struktur nachbauen kann.

Mastodon hat keine Suche, die diesen Namen verdient. Kann es nicht haben.

  • Dezentrale Struktur.
  • Kostenlose Nutzung.
  • Globale Suche.

Wählen Sie zwei.

[3] Aussage: Auf Mastodon macht man sich von Hobby-Admins abhängig.

[…]

Übrigens kann man sein Konto jederzeit auf eine andere Instanz umziehen, wenn einem die ausgewählte Instanz nicht mehr gefällt/passt.

Ja. Das ist genau die Patzigkeit, die IT-Menschen gerne gegenüber Ihren Kunden an den Tag legen: wenn's Dir nicht gefällt, dann hau doch ab.

Die Realität ist: beim Umziehen verlieren Sie ihre alte Identität. Das ist genau so schlimm wie beim Umzug zu einem anderen Mailserver: Sie müssen Referenzen überall im Netz anpassen.

Dazu kommt: der Server, den Sie verlassen wollen, muss den Umzug unterstützen. Wenn dessen Betreiber den Server einfach abschaltet – oder wenn er Sie wegen ungehöriger Meinungen canceln will – gibt es keinen Umzug. Sie verlieren dann nicht nur ihre Identität, sondern außerdem ihr ganzes Netzwerk. Tabula Rasa. Null. Nil. Nada. Gehen Sie über Los. Beginnen Sie neu.

Der einzige Vorteil gegenüber Twitter ist, dass es keinen endgültigen Bann gibt und Sie wieder bei Null beginnen können.

Zensur ist bei Mastodon genau so einfach wie bei Twitter: wenn der Betreiber meiner Instanz bestimmte Themen nicht mag, sperrt er die. Und es gibt nichts, was ich dagegen tun könnte.

Außer Umziehen. Mit allen Konsequenzen.

[4] Aussage: Die Einrichtung bzw. das Anlegen eines Kontos ist viel zu schwierig.
  • Sagen wir mal so: Wer es schafft, ein E-Mail-Konto anzulegen, der schafft es auch ein Mastodon-Konto zu registrieren.
  • Es gibt zig Anleitungen, mit denen es jeder interessierte Nutzer schaffen dürfte, ein Konto auf Mastodon anzulegen:
    […]
[5] Aussage: Da ist doch niemand…

Institutionen/Organisationen
[…]
Projekte
[…]

Behörden, Unternehmen und Projekte aus dem Bereich der Datensicherheit interessieren nur eine kleine Blase, für die Datensicherheit Lebensinhalt ist. Sorry, aber isso.

Personen
[…]
Politik
[…]

Hier finden sich praktisch ausschließlich Gestalten aus dem linkspopulistischen Spektrum.

Und das Beste ist: Täglich kommen neue Nutzer, bekannte Institutionen, Persönlichkeiten etc. dazu! Lieber informieren, bevor man hatet.

Dass der Autor mit Hater die Sprache der Gestalten nutzt, die jede abweichende Meinung als Hass empfinden und gecancelt sehen wollen, tut weh. Von Ingenieuren erwarte ich – vielleicht zu Unrecht – eine gewisse Objektivität.

Mastodon bzw. das Fediverse ist übrigens keine Alternative zu Twitter und will es auch gar nicht sein.

In der Realität ist es genau das. Eine Alternative. Entweder oder. Denn mehrere Kanäle zu bespielen können sich nur die leisten, die vom Verbreiten ihrer Meinung leben: Profiteure der Demokratieabgabe™ oder irgendwelche Grifter.

Also liebe Hater da draußen: Informiert euch doch bitte erstmal oder probiert das Fediverse (Mastodon) aus, bevor ihr Mythen und Zweifel verbreitet. Vielen Dank!

Dass der Autor mit Hater die Sprache der Gestalten nutzt, die mit Diversität nicht leben können und jede abweichende Meinung als Hass empfinden und gecancelt sehen wollen, tut weh. Von Ingenieuren erwarte ich – vielleicht zu Unrecht – eine gewisse Objektivität.

Vielleicht will er einfach nur seine Fanbase bedienen.