Medienkompetenz
Geschrieben von Wolf am .
In den Allgäuer Bergen ist eine Gruppe aus 8 Lehrern und 99 Schülern in Bergnot geraten. Der ORF berichtet:
99 Schüler sowie acht Lehrer aus Deutschland sind am Dienstag im Kleinwalsertal mit Hubschraubern aus Bergnot gerettet worden. Die Lehrerschaft hatte aus dem Internet eine Wanderroute ausgewählt, die weder dem Schuhwerk der Jugendgruppe noch ihrer Bergerfahrung entsprach, teilte die Polizei Vorarlberg mit.
Ein paar Gedanken dazu.
1. Der Weg
Anders als die meisten Berichte in den Medien zeige ich zuerst die Situation am Berg. Die Fotos hat ein Inghuimischer gemacht, vielen Dank dafür. Alle Aufnahmen sind vom , dem Tag nach dem Unfall. Der Zustand der Wege ist also der, den die Gruppe vorgefunden hat. (Oder genauer der, den die Gruppe hinterlassen hat.)
Beginnen wir mit dem Heuberg selbst nebst Aufstiegsweg:
Wie so oft am Berg täuschen die Fotos: Der Weg sieht nach einem lustigen Spaziergang aus, das Gelände ist aber viel steiler, als es ausschaut. Und das wird schnell zum Problem.
45 Grad hört sich nicht nach viel an, und im Fels wären sie auch (vom Gefühl abgesehen) kein Problem. Hier im Grünen haben wir aber schmierigen und rutschigen Untergrund, und anders als die Intuition sagt, ist erdiger Untergrund schwieriger und gefährlicher als Felsen.
Physik
Wenn die Stufen, beim Klettern Tritte
genannt, flach sind, zeigt die Gewichtskraft des
Kletterers nach unten, und zwar unabhängig von der Steigung. Dem lächerlichen Gewicht des
Kletterers widersteht der Fels mit Leichtigkeit. (Das ist im Moor anders,
da führt das Gewicht dazu, dass der Wanderer einsinkt.)
Unabhängig davon, wie steil das Gelände ist, stehe ich sicher, wenn der Tritt selbst flach und der Fels stabil ist.
Ganz anders im erdigen Gelände am Heuberg, bei dem möglicherweise vorhandene Stufen sogleich wegbrechen. Hier teilt sich die Gewichtskraft in zwei Komponenten. (Vielleicht erinnern Sie sich an das Kräfteparallelogramm aus dem Physikunterricht.)
Die rot gezeichnete Komponente zieht den Kletterer den Hang hinunter.
Die blau gezeichnete Komponente belastet die Oberfläche auf Druck, dem diese leicht widersteht. Und sie führt zur Reibung, die den Kletterer hält. Diese Komponente ist nützlich, denn die Reibung, die den Kletterer hält, ist proportional zu dieser Kraft.
Die andere, rot gezeichnet, lässt den Kletterer den Hang hinunter rutschen. Und das umso stärker, je steiler der Hang ist.
Dem Rutschen setzt sich nur die Reibungskraft entgegen, und die ist auf Erde (und noch schlimmer auf Lehm) äußerst gering.
Je größer das Alpha, umso steiler das Gelände, umso schneller das Oops!
, umso länger das
Rutsch, umso lauter das Aua!
.
Résumé:
Eine gute Seite hat die Geschichte: von den 99 Schülern wird ein Großteil hoffentlich auf Lebenszeit ein Bergtrauma haben und einen weiten Bogen um die Berge machen. Und da laufen eh schon zu viele rum.