Kommentare zu Beiträgen auf Imagico.de

Geschrieben von am .

(Ich habe einige Tippfehler korrigiert und Verknüpfungen eingefügt.)

  1. Warum es für die OpenStreetMap-Community essentiell ist, aktiv und innovativ Kartengestaltung zu betreiben vom 20. Dezember 2021
  2. OSM related group communication channels and platforms – revisited vom
  3. State of the Map 2022 vom 11. August 2022
  4. Namen und Beschriftungen in OpenStreetMap vom
  5. What rule based map design requires from the tools it uses vom 16. September 2023
  6. Repräsentation der Mapper in der OSMF-Mitgliedschaft vom 04. Februar 2024
  7. Zwanzig Jahre OpenStreetMap – ein Rückblick auf Beobachtungen und Vorhersagen vom 17. Juli 2024
  8. Ein kurzer Kommentar zur State of the Map 2024 vom 10. September 2024
  9. Is the OSMF not overly fond of OpenStreetMap? vom 25. Oktober 2024
  10. More map symbols vom 01. November 2024
  11. Knowledge retention and generational succession in OpenStreetMap from 05. March 2025
  12. Das OpenStreetMap-Sommergewitter vom
  13. Neue Kartenebenen auf osm.org vom
  14. Überlegungen aus dem Hack–Weekend in Karlsruhe vom
  15. WeeklyOSM, Anerkennung und Motivation von Freiwilligen vom
  16. Digitale Ökosysteme und Lobbyarbeit vom

Kommentare zu Warum es für die OpenStreetMap-Community essentiell ist, aktiv und innovativ Kartengestaltung zu betreiben vom 20. Dezember 2021

Wolf am :

Erst mal herzlichen Dank für diese Problembeschreibung.

Ich möchte ein paar Anmerkungen machen:

Was dies jedoch auch illustriert ist, dass der weit überwiegende Anteil OSM-basierter Karten weder Ambition noch Fähigkeiten zeigt, ein Ergebnis anzustreben, welches qualitativ besser ist als die Produkte von Google, Bing usw. hinsichtlich Innovation und Qualität der Darstellung.

Welchen Sinn soll es haben, sich Gedanke über ein bessere Karte machen, wenn diese doch nicht realisiert wird und nichts als Frustration bleibt?

zum einen besteht die Notwendigkeit, innovative Kartengestaltung aus der Community heraus und inspiriert von den Werten des Projektes anstatt von kurzfristigen externen wirtschaftlichen Interessen zu fördern und wertzuschätzen

Ja, die Notwendigkeit besteht. Doch wer sollte sich darum kümmern? Wir haben hier Neuland, und wer sich damit auskennt, wird sich eher von einem der Geodaten-Unternehmen fürstlich bezahlen lassen.

[…] zum anderen besteht ein dringender Bedarf an der Entwicklung und der Unterstützung der für diese Arbeit benötigten Software. […] Die Ansicht, dass Karten auf Grundlage von OSM-Daten einfach irgendwo entstehen und sich quasi selbst entwickeln auf Grundlage von Bedarf und Gelegenheiten, ohne dass dafür spezielle Talente, Erfahrungen oder Bildung erforderlich wären.

Es findet sich zur Zeit nicht einmal ein Betreuer für den Wmftools-Shading-Server. Für die Technik der historic.place haben wir drei Jahre nach einem Programmierer gesucht – vergebens. Die Software läuft seitdem ohne Betreuung.

Woher sollen die Programmierer kommen? Jemand, der wirklich firm in seinem Gebiet ist, jemand mit speziellen Talenten, Erfahrungen oder Bildung wäre doch blöd, monatelang für lau zu arbeiten, wenn die großen Unternehmen mit sechstelligen Gehältern winken.

Dies muss sich ändern – in erheblichem Umfang und ziemlich dringend, Ich hab darauf in verschiedener Form schon seit langem immer mal wieder hingewiesen und ich tue dies hier erneut und mit Nachdruck. […] Alle diese Ansätze und Versuche verdienen mehr und mehr ambitioniertes Interesse und mehr Unterstützung aus der OSM-Community.

Die Community ist nicht einmal in der Lage, ihre Server zu finanzieren. Wie soll die Unterstützung für Ansätze und Versuche aussehen? Hast Du fein gemacht nach zwei Monaten Vollzeit-Arbeit an einer Software? Gewinner und Entscheider bei OSM sind die, die von einem Unternehmen bezahlt ihr Leben im Forum (und auf anderen Plattformen) verbringen und da die Lufthoheit haben. Und nicht die Reinklotzer.

Und dass die technischen Grundlagen hierfür in Form von Software, welche derartige innovative Kartengestaltung ermöglicht und flexibel unterstützt, gleichermaßen aus dem Projekt heraus entwickelt und gestaltet werden müssen und ebenso wenig einfach an externe Projekte angehängt werden können, welche völlig andere wirtschaftliche Ziele verfolgen.

Aktiv formuliert und ein Subjekt eingeführt: dass jemand die Software aus dem Projekt heraus entwickelt und gestaltet. Wer soll dieser Jemand sein? Und was heißt aus dem Projekt heraus? Die Crowd entscheidet und der Jemand arbeitet?

Worin OpenStreetMap gut ist und wo die proprietäre Konkurrenz keine Chance hat, das ist die Produktion von Karten auf Grundlage von lokalem Wissen, durch Menschen und für Menschen – und zwar sowohl bei der Daten-Erfassung als auch bei der eigentlichen Karten-Gestaltung und Produktion.

Worin OSM schlecht ist: fähige Leute zu rekrutieren, die aber nicht zu bezahlen (können), was für die kommerzielle Konkurrenz eo ipso überhaupt kein Problem darstellt.

Ich habe ein ziemlich schlechtes Gefühl, was die Zukunft von OSM angeht, wenn fähige Leute gehen und keine fähigen Leute nachkommen.

Wolf am :

Danke für Ihre Klarstellung. Ich bin ziemlich frustriert darüber, dass es mir nicht gelungen ist, weitere technischen Mitarbeiter zu gewinnen; das trübt wohl meine Objektivität.

Allerdings sehe ich weiterhin den Mangel an Entwicklern als ein wichtiges Problem bei OSM: als Beispiel nur die >500 offene Tickets beim OSM-Kern-Team, wo sich nicht einmal jemand findet, der diese Tickets nur nach Machbarkeit bewertet und nach Priorität sortiert.

Das wirkt sich auch auf die von Ihnen geforderte innovative Kartengestaltung (dem ich voll zustimme) aus: immer wieder gibt es Ideen; doch was nützen diese, wenn sie nicht realisiert werden können. Ich hab allein zum Thema Platzierung von Labels ein dutzend Papers hier liegen, noch viel mehr zum Thema Generalisierung. Bloß wer soll all diese öffentlich für jeden sichtbaren Ideen realisieren?

Kommentare zu OSM related group communication channels and platforms – revisited vom

Wolf am :

Client-wise, there’s nothing one can do about the bandwidth wastage and social anti-features. However, I am working on a browser addon that will rid the site of most of the avatar overdose, gamification and nudging, so that you can view it without risk of eye cancer and brain damage.

Addendum: This project failed in a horrible way. The forum administrators decided that I am not allowed to criticize the forum software — at least not in no-nonsense terms: How much criticism of the forum software is allowed? (The links lead to archived pages because the forum leaders don't even shy away from distorting history.)

Kommentare zu State of the Map 2022 vom 11. August 2022

Wolf am :

Ein kurzer Kommentar zu den Kosten der Konferrenzteilnahme:

[…] eine Veranstaltung ist, die ganz ostentativ auf wohlhabende Leute und Leute abzielt, deren Besuch von einer dritten Partei bezahlt wird. Es ist völlig in Ordnung, eine solche Veranstaltung zu haben”

Nein, das ist nicht Ordnung. Absolut nicht. Nicht bei einer Organisation, die dauernd von Diversity redet.

Ein Bekannter ist Fotograf und Teil einer Community, die sich einmal im Jahr trifft. Jeder überweist 10% mehr als die eigentlichen Kosten an ein Mädel, das nichts mit den Fotografen zu tun hat, die bezahlt dann Hotel usw. Der kann man auch schreiben, dass man sich die Fahrt nicht leisten kann, und das halbwegs glaubhaft machen: dann kann man kostenlos teilnehmen. Ohne dass jemand weiß, wer bezahlt hat und wer nicht, und ohne man sich dafür schämen müsste. Weil die nicht wollen, dass da einer fehlt.

SO geht eine inklusive Veranstaltung.

auch wenn ich mir einen Besuch in Florenz im August hätte leisten können

Das ist so ähnlich wie Auch wenn einer links/rechts/oben/unten/mitte oder rot/grün/blau/gelb/pink ist und ich das nicht bin, setze ich mich dennoch für dessen Redefreiheit ein: Es ist unfair (und hart an der Grenze zur Rabulistik). Denn wenn jetzt jemand eine Kritik formuliert und dabei erwähnt, dass er sich das ohnehin nicht leisten kann, kann ich dem sogleich Neid unterschieben und dessen Meinung so entwerten.

Kommentare zu Namen und Beschriftungen in OpenStreetMap vom

Wolf am :

Erst mal danke für den Beitrag, der mal wieder meine Sicht erweitert hat und zu Ideen anregte.

Zuerst einige Ergänzungen, hoffentlich nicht zu off topic:

  • Man kann auch bei Personen-Namen viele Fehler begehen: https://www.kalzumeus.com/2010/06/17/falsehoods-programmers-believe-about-names/ (Darunter hab ich schon selbst gelitten, weil mein Name in Katakana-Transkription zu lang ist für das Namen-Eingabefeld bei der Fluggesellschaft ANA. 🙂)
  • Etwas unterhalb der Ebene Ihres Artikels: Die Mapper wollen ihre Arbeit in der Karte sehen (anders, als immer wieder behauptet, sind die aus unserer DB erzeugten Karten und die damit betriebenen Dienste unser eigentliches Produkt). Das Name-Element wird oft missbraucht, um eine Anzeige in der Arte zu bewirken, das sowohl Ihnen als auch den Suchmaschinen die Arbeit erschwert.

    Ich denke, wir sollten ein Element unterhalb der Ebene Name einführen, z.b. Label, das in kleinerer Schrift und mit niedriger Priorität gerendert wird und aus der Suche ausgeschlossen. Das würde Namen wie Sandkasten, Schaukel, Löwen, Fischteich usw. vermeiden und Ihnen wie auch den Suchmaschinen die Arbeit erleichtern.

  • Das fehlende Vertrauen ist oft gerechtfertigt. Wenn z. B. bessere Datenerfassung (Gebäude als Fläche wie auch das Restaurant an die Fläche) dazu führt, dass das Label verschwindet, weil es nur gezeichnet wird, wenn es in die Fläche passt.

    Oder wenn man dafür geschimpft wird, unscharfe Regionen (Schwarzwald) trotz der Unschärfe als Fläche zu zeichnen, was dem Kartendesigner viele Gestaltungsmöglichkeiten für die Beschriftung erlaubt, und stattdessen ein Label-Node empfohlen wird, das der Ersteller an eine Stelle platziert, auf der auf seiner Lieblingskarte Platz dafür ist, was den Kartendesigner aber aller Gestaltungsmöglichkeiten beraubt und möglicherweise zum Verschwinden der Beschriftung führt.

Ich möchte aber auch ein paar Gedanken zu einer Lösung anbieten. Für den Hintergrund muss ich kurz ausholen: Ich bin selbst auf das name=-Problem gestoßen, als ich die Alpenvereinseinteilung der Ostalpen erfasst habe, in denen Sie unterschiedliche Sprache und auch mehrsprachige Gebiete finden. Ich hab natürlich alle Gebiete mit name:{lc} versehen für die in den Ostalpen gesprochenen Sprachen und zusätzlich mit name:en. Das name= war klar für die (mehr oder weniger) einsprachigen Gebiete. Aber eben nicht für die Mehrsprachigen. Zum Glück hatte ich Kontakt mit jemanden aus einem der extrem mehrsprachigen Gebiete, und dessen Antwort war: trag ein, was Dir am besten passt, da ist hier keiner sauer, wir ändern das ab, wenn es so besser passt.

Die Gedanken:

  1. Wir brauchen in unserer Datenbank Sprachbereiche (die nicht mit Ländergrenzen übereinstimmen müssen).
  2. Wir brauchen für jeden Sprachbereich einen Arbeitskreis/Kommission/Stammtisch/younameit aus Locals, der für die Beschriftungen eine sortierte Liste von (sortierten) Sprach-Mengen erarbeiten, die Sie als Vorgabe beim Labeln der Karte nutzen können. Eine Liste könnte so aussehen: (de+it, de, it, en). Wenn eine Region eine Sprache und deren Transkription will, ist auch das ok.
  3. Sie ignorieren beim Labeln das name=-Element, schauen stattdessen in die Prioritätenliste, wählen das erste Element, für das Sie alle Komponenten als name:{lc} finden und nutzen diese. Bei + labeln Sie zweisprachig.

Da die Prioritätenliste ausgelagert wird, bleibt dem Datenerfasser kein Spielraum zur Manipulation der Anzeige. Das name= wird für die Darstellung ignoriert, und die name:{lc} fehlzuerfassen ist offensichtlicher Vandalismus.

Damit könnte eine erste internationale Karte so beschriftet werden, dass alle vor Ort zufrieden sind.

Eine zweite internationale Karte würde die Beschriftungen aus der ersten internationalen Karte nutzen, jeweils erweitert um eine Transkription (von den Locals ausgewählt) in lateinischer Schrift. Auch diese Karte würde allen Menschen nutzen, insbesondere erlaubte sie das Sprechen über Geografie. (Wobei durch den Platzbedarf Label unterdrückt werden, aber so ist es nun mal beim Hobeln.)

Bei allen weiteren Karten kann man auf das Do-it-yourself verweisen: Wenn Du eine japanische Karte haben willst, dann render Dir eine.

Kommentare zu What rule based map design requires from the tools it uses vom 16. September 2023

Wolf am 17. September 2023 um 22:44:

Ich sehe gerade, dass Ihr Beitrag Why it is essential for the OpenStreetMap community to actively pursue map design innovation bereits fast zwei Jahre alt ist. Getan hat sich in dieser Zeit offensichtlich nicht viel. Was mich zu der Frage bringt:

Hat überhaupt eine signifikante Menge von Menschen ein Interesse an schönen Karten?

Die wunderschönen noch handgestichelten Karten des Alpenvereins sind Geschichte, sie wurden von topografischen Karten der Landesvermessung abgelöst; ein ähnliches Schicksal ereilt gerade die Swisstopo.

Kann es sein, dass einfach die Zeit der schönen Karten zu Ende geht? Dass nur noch ein paar alten Hanseln (wie z. B. mir) das Herz aufgeht beim Betrachten eines kartografischen Meisterwerks?

Den Aufwand der von Ihnen skizzierten Render-Engine dürfte ans Sechsstellige reichen; und da stellt sich nicht nur die Frage, wie das überhaupt zu stemmen wäre, sondern auch, ob das die dringendste Baustelle im OSM-Projekt ist oder überhaupt eine dringende?

Gruß W.

Wolf am 20. September 2023 um 02:42:

Erstmal Danke für die ausführliche Antwort.

Meine Beobachtung ist, dass ganz im Gegenteil das Interesse, und ich meiner hier gerade auch das anspruchsvolle, tiefer gehende und kritische Interesse an qualitativ hochwertigen Karten, deutlich zugenommen hat. Und zwar sowohl das passive Interesse von reinen Karten-Nutzern als auch das aktive Interesse, selbst Karten zu gestalten. Die Existenz von OpenStreetMap ist ein Ergebnis dieser Entwicklung.

Da bin ich wohl in die Blasenfalle getappt. Mein Umfeld ist sehr technisch, und da interessiert vor allem, was in der Karte drin ist, und weniger, wie es aussieht. Mit der OpenTopoMap und OsmAnd sind wir schon weitgehend zufrieden.

Vor dem Hintergrund entbehrt es natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass so viele im OSM-Umfeld denken, dass Kartengestaltung schlicht nicht zum Projekt gehört.

Es wird sehr regelmäßig und ausgesprochen lautstark so verlautbart:

OpenStreetMap ist eine Datenbank und keine Karte. (*omm*)
Noch viel bedenklicher ist es aber, wenn als Argument angeführt wird, dass es dringenderes gibt. Mit dem Argument lässt sich jede Investition in Kunst und Kultur zurückweisen.

Bitte seien Sie über das dringenderes nicht verärgert. Ich sehe einfach, dass die Entwicklungs-Kapazitäten im Umfeld von OSM doch sehr begrenzt sind. Ideen gibt es reichlich, Macher zu wenige. Da muss man über Prioritäten nachdenken.

Die Alpenvereinskarte malt Höhenlinien auf Gletschern blau, lässt sie Straßen senkrecht und nicht diagonal queren, und Pfade führen nicht durch Baumsymbole durch. Das sieht schon toll aus (so wie Ihre Furten) – nur würde ich nicht Wochen darin investieren wollen, das nachzubauen.

Ich denke nicht, dass der in der öffentlichen Kommunikation in OpenStreetMap oft dominierende Mangel an Wertschätzung für Kartengestaltung und ihre Bedeutung für das Projekt repräsentativ ist für die OSM-Community als Ganzes.

Ihren Wunsch nach einem (möglichst auch für Laien brauchbaren) leistungsfähigen Werkzeuges zu regelbasierten Kartengestaltung verstehe ich natürlich. Was ich aber nicht verstehe: warum hätte ein solches Werkzeug und damit erstellte Karten eine größere Bedeutung für das OSM-Projekt? Denn zum einen wäre ein vernünftig gemachtes Werkzeug nicht auf die Verarbeitung von OSM-Daten begrenzt, sondern würde auch Daten der Vermessungsverwaltung verarbeiten. Und zum anderen würden damit aus OSM-Daten gestaltete Karten es wegen der hohen Anforderungen eh nicht auf die OSM-Startseite schaffen, blieben also praktisch unsichtbar.

Was oft fehlt ist eine Wahrnehmung davon, was die Schwierigkeiten bei der Gestaltung einer qualitativ hochwertigen automatisch-regelbasierten Karte ist. Das hat aber vor allem etwas damit zu tun, dass die Praxis der regelbasierten Kartengestaltung für viele Leute sehr unzugänglich und unverständlich ist (was wiederum zu erheblichen Teil an den zur Verfügung stehenden Werkzeugen liegt).
For software development working on something technologically new and edgy is understandably often more attractive than investing time and energy into a solid implementation of something that – technically speaking – is rather boring for the most part.

Die leidige Sache mit den Prioritäten … wofür es weder intrinsische noch extrinsische Belohnung gibt, das wird halt nicht gemacht. :-/

Wolf am 22. Juli 2025:

Nach knapp zwei Jahren hat sich offensichtlich immer noch nicht viel getan. Stattdessen wird OSM-Carto im Forum als Beispiel für ein gescheitertes Community-Projekt gehandelt:

https://community.openstreetmap.org/t/how-is-core-software-governance-managed-in-openstreetmap-and-who-decides-which-projects-are-included/131621/35

Und der Wind bläst heftig in Richtung (hässlicher) Vektorkarten.

Gleichzeitig ist das OSMF gerade mit der Geldgießkanne unterwegs:

https://community.openstreetmap.org/t/engineering-microgrants-2025-program-announcement/130177,

ohne dass Kartendesign angesprochen wird.

Kann man die Hoffnung auf innovatives Kartendesign aus dem OSM-Umfeld langsam sterben lassen?

(Ich hab auf meinen Bergtouren oft in die schönen Alpenvereinskarten gekrickelt, da ich die eh immer wieder neu gekauft habe. Jetzt sind die schönen Karten Geschichte, und mich ärgert, dass ich nur bekrickelte habe und nicht mal schöne Farbfotokopien oder Scans und Farbdrucke machen kann. Und dass auch all die von mir in den Bergen erfassten Daten mir nicht helfen, einen Ersatz zu schaffen.)

Kommentare zu Repräsentation der Mapper in der OSMF-Mitgliedschaft vom 04. Februar 2024

Wolf am 04. Februar 2024 um 04:16:

Ich verstehe die Relevanz der Anzahl der Mitglieder nicht. Mitglied wird man doch hauptsächlich, um den Vorstand zu wählen. Und der ist regelmäßig mehrheitlich oder sogar vollständig mit Menschen aus dem angelsächsischen und europäischen Raum bestückt.

Selbst wenn die Zahl der Mitglieder durchgehend proportional zur Anzahl der Mapper wäre, hätten Länder oder auch Regionen außerhalb des angelsächsisch-europäischen Raumes nur minimale bis gar keine Chance, einen Vertreter in den Vorstand zu bringen – und der würde regelmäßig überstimmt. Ich sehe da keinen großen Anreiz, Mitglied zu werden.

Wollte man wirklich Diversität in Entscheidungsprozessen wünschen, müsste man die Herkunft der Vorständler festlegen, je einer aus Nordamerika+Australien, Südamerika, Europa, Afrika, Mittelasien und Fernasien, und vielleicht noch einer für die ganze Welt. Das aber ist illusorisch – und möglicherweise lässt das UK-Gesellschaftsrecht dies gar nicht zu.

Wolf am 05. April 2024 um 17:22:

Ich betrachte die Situation weniger aus der Sicht des Projektes, sondern aus der Sicht des Menschen von außerhalb von USEU, der OSMF-Mitglied werden soll. Der verdient seine Brötchen nicht mit OSM-Daten, sondern der betreibt OSM in seiner Freizeit. Englisch spricht er, wenn überhaupt, auf Schulniveau. Er hat keine Führungsposition inne und kann weder durchsetzungsstark auftreten noch ist er rhetorisch geschult.

Und der soll antreten gegen Menschen, die mit der Nutzung von OSM-Daten ihr Geld verdienen, die effektiv während ihrer bezahlten Arbeitszeit im Projekt netzwerken können, die Englisch auf Muttersprachlerniveau oder knapp darunter sprechen und die gewohnt sind, als Führungskraft aufzutreten und sich durchzusetzen? Welche Chance soll er da haben?

Wir haben doch gesehen, wie (ungeschickte) Bewerbungen von Menschen von außerhalb des inner Circles lautstark und herablassend im Forum niedergemacht worden sind. Mit angelsächsisch-europäischen Kriterien, die jemand von außerhalb schlichtweg nicht erfüllen kann. Eine Bewerbung ist da sinnlos und Zeitverschwendung. Verschwendung von Zeit, die der, der nicht während der Arbeitszeit netzwerken kann, nicht hat.

Mal ein Vorschlag zur Diversifizierung (ich weiß, dass der unrealistisch ist):

  1. Menschen, die zu einem signifikanten Teil ihren Lebensunterhalt im Umfeld von OSM-Daten verdienen, werden von allen Führungsjobs und Meinungsbildungsjobs ausgeschlossen, explizit also aus Vorstand und allen Kommunikations-Aufsichtsposten. Wegen CoI und des unfairen Wettbewerbs. Es macht den Wettbewerb ein klein wenig fairer, wenn Hobbyisten gegen Hobbyisten antreten und nicht gegen Profis.
  2. Die OSM-Amtssprache wird rotiert. Dieses Jahr Hindi, im nächsten Jahr Japanisch, 2026 dann Russisch. Englisch erst wieder 2032. Das würde den Sprachbias herausnehmen und das verlogene Argument des Hey, es gibt doch die automatische Übersetzungsfunktion als das aufzeigen, was es ist: arrogant und verlogen.

Bei beidem gäbe es einen lauten Aufschrei von denen, die es betrifft, von denen, whose work we know and enjoy. Deshalb seien wir mal ehrlich: von Ihnen abgesehen besteht doch überhaupt kein Interesse, Macht abzugeben an Menschen oder Gruppen von außerhalb der USEU?

Ein europäischer Bewerber für den Vorstand, der eine größere Diversität für selbigen Vorstand wünscht, könnte das am besten dadurch ausdrücken, dass er seine Kandidatur zurückzieht.

Kommentare zu Zwanzig Jahre OpenStreetMap – ein Rückblick auf Beobachtungen und Vorhersagen vom 17. Juli 2024

Wolf am 17. Juli 2024 um 22:47:

Guten Abend.

Als ich zu OpenStreetMap gestoßen bin, war das ein Geil! Ich kann meine gesammelten Tracks als Straßen und Wege in eine Karte malen und diese Karte frei nutzen. Dass auch andere teilnehmen, war ob der schieren zu erfassenden Datenmenge klar, aber darüber hinaus bedeutungslos. Ganz im Gegenteil war es schön, ungestört in Ruhe an der Karte zu arbeiten. Wie ein Gemälde malen oder eine Modelleisenbahn bauen, dabei aber für viel mehr Menschen nützlich. Die Gemeinschaft spielt da keine Rolle. Die Menschen haben mit den Füßen (bzw. den Fingern an der Tastatur) demokratisch abgestimmt: Die weit überwiegende Mehrheit der OpenStreetMap-Mitarbeiter nimmt an keinem der offiziellen Kommunikationskanäle teil.

Da frage ich mich, wann der Austausch und der Kommunikation von lokalem geografischem Wissen durch eine kulturübergreifende Gemeinschaft von Mappern mittels egalitärer, selbstbestimmte Zusammenarbeit als Kernidee von OpenStreetMap festgelegt wurde?

die Möglichkeit, dass diese Entwicklung dazu führen könnte, dass Menschen ihr geografisches Wissen zunehmend über Mittel außerhalb von OpenStreetMap teilen und austauschen.

Wenn Sie die technische Infrastruktur meinen: da führt auf absehbare Zeit an der OpenStreetMap-Datenbank kein Weg vorbei, schon wegen des Netzwerkeffektes (the winner takes it all) und der Kosten des Betriebs einer Datenbank-Infrastruktur.

(Es wäre allerdings wünschenswert, weil OpenStreetMap sich in mehreren Aspekten festgefahren hat, sich immer mehr homogenisiert (de-diversifiziert) und gleichzeitig gegen Kritik immunisiert. Die Bedrohung durch eine große Konkurrenz könnte den entscheidenden Ruck geben, sich loszurütteln und (wieder) zu einem coolen Projekt zu werden, das Menschen begeistert.)

Wenn es um den zwischenmenschlichen Dialog im Umfeld von OpenStreetMap geht: Es war schon immer so, dass der größte Teil der Kommunikation außerhalb der OpenStreetMap-Kanäle – oder gleich gar nicht – erfolgte. Konstruktive Gespräche zu einem kritischen Thema (Wahrheitssuche) finden halt am besten und einfachsten eins zu eins unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wo man frei von der Leber weg reden kann und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, weil es ansonsten Jahre später in einem Tribunal gegen einen verwendet werden könnte. Kritik in einer E-Mail ist etwas, worüber ich nachdenken kann und möglicherweise meine Meinung zu etwas ändern. Das ist öffentlich nicht möglich, weshalb Forendiskussionen sich so oft und immer wieder im Kreis drehen. Kennen Sie jemanden aus der OpenStreetMap-Elite, der jemals als Ergebnis einer Diskussion seine Meinung zu etwas öffentlich geändert hat? Die De-Diversifizierung wird noch mehr Diskussion aus den offiziellen Kanälen verdrängen, und die vorgeschlagene Öffentlichmachung der Direct Messages diese sinnlos machen.

Das alles ist aber weder spezifisch für OpenStreetMap noch etwas Schlimmes.

Schlimm wird es erst dann, wenn man, wie von Tomas unter der englischen Version kommentiert, unter dem Radar bleiben muss, um sich vor Kulturimperialismus zu schützen.

Aber die überwiegende Mehrheit der organisatorischen Kommunikation über OpenStreetMap (und das ist es, was die größte Reichweite hat) stellt OpenStreetMap heutzutage als eine Sammlung nützlicher Geodaten dar, die größtenteils von Freiwilligen produziert wird (wobei Freiwillige hier unbezahlte Arbeitskräfte bedeutet und weder lokales Wissen noch Selbstbestimmung darüber impliziert, was sie kartieren und wie sie es kartieren).

Das braucht man nicht extra darzustellen. OpenStreetMap ist eine Sammlung nützlicher Geodaten, zu der man niederschwellig beitragen und die man frei nutzen kann (ob der schieren Datenmenge nicht ganz so niederschwellig).

Ich habe auf meinen Wanderungen und Touren noch nicht einen einzigen Menschen gefunden, der OpenStreetMap kannte. Komoot&Co hat gefühlt jeder draußen auf seinem Wischfon oder kennt es zumindest. Und da steht in der Ecke: Map Data © OpenStreetMap-Mitwirkende. Nützliche Geodaten, von Mitwirkenden gesammelt. Genau das. Nur das.

Und in der Tat kann Otto-Normal-Erfasser zwar erfassen, was er will (solange er den in Mitteleuropa beschlossenen Regeln folgt, egal wie unsinnig sie am anderen Ende der Welt sind, oder unter dem Radar bleibt), aber nicht kartieren, was er will, denn Otto-Normal-Datenerfasser hat weder Einfluss auf die Darstellung in den Karten (won’t implement, closed.) noch kann er, solange er kein Geek ist, mal einfach so selber eine Karte erzeugen. (Ich spreche hier nicht von einer Hundekottütenspenderkarte mit Umap.)

Also ja, freiwillige unbezahlte Arbeitskräfte ohne Einfluss auf das Projekt. Die aber, so man sie in Ruhe lässt, mit Spaß bei der Sache sind. Weil es toll ist, Dinge in der Karte auftauchen zu sehen, die man gerade eingetragen hat.

Normalerweise würde man erwarten, dass ein solch klarer und fast durchgängiger Trend in der öffentlichen Kommunikation dazu führt, dass die Mapper dieses Framing von OpenStreetMap zunehmend verinnerlichen.

Ein Einfluss würde voraussetzen, dass die Menschen diese öffentliche Kommunikation wahrnehmen. Die große Mehrheit interessiert sich aber nicht einmal dafür (s. o.), die sehen nur ihren Editor und die sie interessierende Karte(n).

Es ist am besten, dieses Schisma nicht als eine vollständige Trennung von Kommunikationsblasen zu sehen, bei der die eine von der anderen völlig abgekoppelt ist, sondern eher als eine starke kulturelle Kluft.

Für mich klingen sowohl Schisma als auch kulturelle Kluft zu negativ. Es sind einfach zwei Welten, die fast nichts miteinander zu tun haben. Seien wir froh, dass die Vielen, die die eigentliche Arbeit leisten und Daten zusammentragen, egal ob unterwegs oder als Sofa-Mapper, keinen Kontakt zum öffentlich sichtbaren Teil von OpenStreetMap, den Kommunikationskanälen und den Eliten von OpenStreetMap haben oder haben wollen. Würde ich einen Mechanismus à la Clockwork Orange erfinden, der zur Teilnahme an der öffentlichen Kommunikation zwingt, könnte das beim gegenwärtigen Zustand womöglich das Ende des Projektes bedeuten.

Die Nullhypothese dazu wäre: Es geht nicht, OpenStreetMap wird zwangsläufig entweder verschwinden oder sich in eine klassische Organisation mit sozialer Hierarchie verwandeln (d.h. nicht-egalitär werden) – bestenfalls mit einem Rahmen von repräsentativer Demokratie irgendeiner Art.

Ich würde die beiden Punkte Verschwinden von OpenStreetMap und soziale Hierarchie trennen, denn meines Erachtens haben die miteinander nichts zu tun.

OpenStreetMap wird noch lange existieren, aber sukzessive an Bedeutung verlieren. Schon wegen der Freigabe von immer mehr Präzisionsvermessungsdaten der professionellen Vermessungsverwaltung, Laser-Scans und Luftbildern, in Verbindung mit dem immer einfacheren und kostengünstigeren Einsatz von angelernten neuronalen Netzen; wegen weiterer Datenspenden und des Wachstums von Wikidata; weil die Menschen wegen des absehbaren wirtschaftlichen Niederganges von besonders Deutschland keine Zeit mehr zum Mappen haben werden; und weil – nach 20 Jahren kein Wunder — die Luft raus ist. Schauen Sie sich die Wiki-Seite OpenStreetMap 20th Anniversary Birthday party an: Begeisterung sieht anders aus.

Unabhängig davon existiert die soziale Hierarchie längst. Das merkt man am deutlichsten bei Konflikten. Wenn Sie zur Oberschicht gehören, können Sie beleidigen, drohen, ja sogar im Datenbestand vandalisieren ich revertiere sowas, ohne es zu prüfen, ohne dass dies irgendwelche Folgen hätte, während Otto-Normal-Erfasser schon für eine harmlose Kritik wegmoderiert oder mit Sperre bedroht wird (ich spreche hier nicht von mir). Das hat aber kaum Bedeutung für das Projekt, weil die Mehrheit der Projekt-Teilnehmer dank Verzicht auf Teilnahme an den offiziellen Kanälen nichts davon mitbekommt und der große Teil der Übrigen sich damit arrangiert hat.

Damit meine Hypothese: OpenStreetMap wird langsam, aber stetig an Bedeutung verlieren und ist bereits eine Organisation mit sozialer Hierarchie, wobei letzteres keinen Einfluss hat auf ersteres.

Gruß Wolf

Wolf am 31. Juli 2024 um 16:34:

Danke für die Antwort.

Dass es eine ganze Menge Mapper in OSM gibt, die der sozialen Komponente des Mappens in OpenStreetMap eher gleichgültig bis ablehnend gegenüber stehen und die es oft lieber hätten, wenn sie völlig isoliert nur für sich mappen könnten, ist ein wichtiger Punkt.

Es geht nicht um es lieber alleine isoliert. Natürlich guckt man sich in einer Gegend, in der man neu ist, erst einmal um, wie dort gearbeitet wird, und passt sich daran an. Jedenfalls halte ich das so. Komme ich mit einer lokalen Tagging-Praxis nicht klar, gehe ich weg. Das sehe ich aber nicht als soziale Komponente, sondern einfach nur als gutes Benehmen. (Ich bin auf Baustellen sozialisiert, wo bei schlechtem Benehmen schon mal ein Schraubenschlüssel fliegt.)

Sie können problemlos zu mehreren ein Gebiet oder ein Thema bearbeiten, ohne daraus ein soziales Event zu machen.

Ich denke, OpenStreetMap kann damit durchaus umgehen, solange (a) solche Mapper eine relativ kleinen Minderheit darstellen

Ich gehe davon aus, dass es nicht eine kleine Minderheit ist, sondern dass die überwiegende Mehrheit der Erfasser so arbeitet. Das mag anders aussehen, weil man sich natürlich nur mit denen unterhalten kann, die auf Kommunikationskanälen unterwegs sind. Es ließe sich aber überprüfen: Mit Zugriff auf die OpenStreetMap-Datenbanken könnte man leicht berechnen, welcher Teil der Erfasser noch nie einen der Kommunikationskanäle ML, Forum, Wiki (schreiben), Diary, Comments oder CS-Comments benutzt hat. Ich nehme an, das ist die große Mehrheit. Und draußen auf einen anderen Erfasser zu stoßen, ist eher unwahrscheinlich. Jedenfalls ist mir noch keiner begegnet.

(b) die grundsätzliche Gleichberechtigung aller Mapper akzeptieren, also anderen die selben Rechte zubilligen, die sie für sich in Anspruch nehmen.

Das ist selbstverständlich. (Und dies nicht zu tun, eher ein Privileg der Oberschicht.🙁)

Mir ging es hier nicht um die Vorhersage, was aus OpenStreetMap wird, sondern um die Frage, ob OpenStreetMap als soziales Projekt auf Basis der von mir beschriebenen Grundidee langfristig tragfähig ist.

Ich formuliere meine These neu:

OpenStreetMap ist bereits eine Organisation mit sozialer Hierarchie. Das hat aber keine Bedeutung, weil die überwiegende Mehrheit der Datenerfasser keinen Kontakt mit der Organisation hat (abgesehen von der API). Die Idee/Das soziale Experiment OpenStreetMap wird weiterbestehen, solange die Datenerfasser weitgehend in Ruhe gelassen werden (und die API bereitgestellt wird).

(Let’s agree to not agree: Ich denke nicht, dass die von Ihnen beschriebene Grundidee eine große Bedeutung hat.)

Gruß Wolf

PS: Es ist wirklich schade, dass Ihre Beiträge so wenig Resonanz in der Community haben, während jeder Unfug im Forum gleich Dutzende Antworten hat. Und das trotz Erwähnung in der Wochennotiz.🙁

Kommentar zu Ein kurzer Kommentar zur State of the Map 2024 vom 10. September 2024

Wolf am 11. September 2024 um 23:17:

Möglicherweise ist es der gleiche Grund, aus dem – bis zum Aufbruch und Aufstieg von Japan, dann Korea, und jetzt auch China – die Länder mit jüdisch-christlicher Leitkultur praktisch allen Fortschritt in Mathematik und den Naturwissenschaften bewirkt sowie fast alle Erfindungen gemacht haben?

Kommentare zu Is the OSMF not overly fond of OpenStreetMap? vom 25. Oktober 2024

Wolf am 20. November 2024 um 18:42:

Die Nutzung von Fremdkarten durch die OSMF ist eine Folge davon, dass OSM eine Datenbank bereitstellt und keine Dienste für Endnutzer. Mit Kartendesign hat das nur wenig zu tun.

So wie die Hauptkarte mir die Fülle der Informationen zu POIs vorenthält, die Suche keinen Tippfehler verzeiht, und die Routingdemo mich in den Wald an den Zaun des Flughafens führt, so kann ich auch nicht mit OSM-Bordmitteln aus einer Excel-Tabelle mit einer Geodaten-Spalte eine Karte generieren.

Wer auch immer bei der OSMF diesen Beitrag erstellt hat, er hätte, um OSM-Daten zu nutzen, ein Unternehmen im OSM-Umfeld beauftragen müssen, also ein Unternehmen auswählen und somit Diskriminierung betreiben. Wer würde sich das antun? Da frickelt man doch lieber etwas aus Drittquellen zusammen.

Wolf am 20. November 2024 um 21:41:

Nachtrag: https://community.openstreetmap.org/t/landkreiskarte-und-selbst-grafisch-andern/121629

Wolf am 22. November 2024 um 00:41:

Ich halte die Visualisierung von Daten mit Geobezug für eine Basisanwendung. Als Endanwender (ich hab mal in einer Redaktion gearbeitet) will ich ein Excel mit den Daten hoch- und dann ein EPS herunterladen, das ich dann in einen Artikel einbette.

Die OSM-Community stellt nichts in dieser Richtung bereit: ohne GIS-Kenntnisse helfen mir die OSM-Daten nicht weiter. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als einen Dienstleister zu beauftragen.

Gäbe es einen Dienst in dieser Richtung, hätte das nicht nur die OSMF vor der Blamage bewahrt, sondern man könnte auch dem Kartonkleber aus meinem Nachtrag weiterhelfen.

Also ja, ich denke, man könnte mit einem solchen Dienst das Problem lösen.

Wenn es diesen Dienst nicht gibt und man nicht auf kommerzielle Dienstleister zurückgreifen will, kann man das Problem der OSMF und des Kartonkleber natürlich wie von Ihnen vorgeschlagen mit Freiwilligen-Arbeit lösen. Da ist das Angebot aber gering, nimmt weiter ab, und OSM(F) konkurriert mit anderen Projekten um das schwindende Angebot.

Kommentare zu More map symbols vom 01. November 2024

Wolf am 27. November 2024 um 06:59:

Ich suche seit vielen Jahren nach einem neuen technischen Betreuer für die Historic.place und bin dabei eben so erfolglos wie Sie bei Ihrem Einsatz für freie und quelloffene Werkzeuge für Kartendesigner, die substanzielle Innovationen im eigentlichen Kartendesign ermöglichen. Erfolgreich war ich im Gegensatz dazu bei der Anwerbung von weiteren Geodaten-Erfassern, auch wenn leider keiner sich zu einem Power-Mapper entwickelt hat.

Nun sind die Voraussetzungen für die Betreuung eines aus Geodaten gespeisten Webangebotes oder für die Entwicklung einer Karten-Render-Toolchain deutlich höher als die zur Eingabe einer Imbissbude mit dem ID-Editor.

Der Hauptunterschied ist jedoch, so denke ich, ein anderer: Der Geodaten-Erfasser arbeitet für sich, die Belohnung für die Eingabe der Imbissbude ist die Darstellung der Imbissbude in der Karte.

Warum aber sollte jemand eine weitere Render-Toolchain entwickeln (oder in meinem Fall die Filterung von OSM-Daten für eine Themenkarte überarbeiten)? Die bisherigen Tools sind entstanden, weil jemand ein eigenes Interesse an den erzeugten Karten hatte. Und diese Karten sind mittlerweile – auch durch Ihre Arbeit – ziemlich gut. Auf jeden Fall gut genug aus der Sicht der Mehrzahl der Nutzer.

Was zum Nachteil wird (das Gute ist der Feind des Besseren): denn es ist ein sehr hoher Aufwand für neue Tools erforderlich; dem steht aber nur eine graduelle Verbesserung des erzeugten Produktes Karte entgegen. Die meisten Kartennutzer werden die Änderungen überhaupt nicht wahrnehmen, geschweige denn diesen einen Wert zumessen. Niemand zahlt (im weitesten Sinne) für eine Verbesserung von etwas, das schon gut genug war.

Und wenn doch jemand eine schöne Karte bewundert (wie ich andernorts schrieb: mit auf Gletschern blauen Höhenlinien, die Straßen senkrecht queren, und Pfaden, die nicht durch Baumsymbole führen), ist es der Kartendesigner, der Ruhm und Ehre einheimst und für die Bewerbung des eigenen Unternehmens nutzen kann, nicht der Erbauer der Tools.

Anders als eine Routing-Engine, die Sie an GLS vermieten oder an Tesla verhökern können, bietet eine neue Render-Engine auch keine Möglichkeit zur wirtschaftlichen Nutzung. Ein Anbieter von damit gerenderten Tiles wird eher nicht den Tool-Erbauer an den Einnahmen beteiligen. Ist ja Open Source.

Langer Schreibe kurzer Sinn: Die Aufgabe, die Sie zu vergeben haben, ist für die meisten unattraktiv; lohnend ist sie nur für denjenigen, den die damit erzeugten besseren Karten persönlich interessieren. Und das sind Sie. Damit wird, so meine Befürchtung, diese Aufgabe an Ihnen hängen bleiben.

So wie die Überarbeitung der technischen Basis der Historic.place an mir.

Wolf am 28. November 2024 um 04:33:
viele Open-Source-Projekte, gerade auch im Bereich Geodaten-Verarbeitung, direkt von Unternehmen gesponsert
werden auch gerade erhebliche Mengen an öffentlichen Geldern auf die Straße geschmissen

Damit sind Sie in einer besseren Position als ich: Sie können Fördergelder beantragen und einen Programmierer einstellen, der Ihre neue Toolchain programmiert.

Ein Skript zum Preprocessing von OSM-Daten für eine Themenkarte werde ich dagegen mangels allgemeinem Interesse wohl kaum gefördert bekommen.🙄

Wolf am 28. November 2024 um 14:11:
dann bleibt die OSM-Community zwangsläufig hinter den Teilen unserer Gesellschaft zurück, wo Arbeitsteilung funktioniert

Ja, leider. OSM hat die besten Zeiten hinter sich und ist jetzt der billige Jakob für Geobasisdaten.🙄

(OT: Es wäre gesünder, wenn mir das völlig egal wäre; nur nagt da die Wehmut, die Erinnerungen an die besseren Zeiten.)

Comments on Knowledge retention and generational succession in OpenStreetMap from 05. March 2025

Wolf on 05. March 2025 at 17:01:

Documenting software written by others is the greatest possible punishment for a programmer. I wish you good luck in finding such a masochist.

Wolf on 08. March 2025 at 19:46:

Thanks for your answer.

It is funny (though also kind of expected) that people think immediately (and exclusively?) about software development when it comes to knowledge retention and generational succession in OpenStreetMap.

That’s not meant to be funny, but a comparison to something I know. You can easily replace programmer/documentation with sculptor/cleaning the studio or, even better, author/proofreading the manuscript. Almost any creative work that is intrinsically satisfying also involves boring work that simply has to be done. And because it’s boring, nobody™ will do it voluntarily.

I am not talking about software development here though.

Neither am I.

I would not even consider documentation of concrete software as part of the collective wisdom and experience of a community that needs to be maintained and developed across generations. The OSM-Carto road rendering is of long term value for OpenStreetMap not as a concrete implementation (software) but as a design approach to depicting roads based on OSM data.

When I read important or value, I look for the corresponding for whom. Because there is no abstract important or valuable. I think you overestimate the number of people who think the OsmCarto/Mapnik render rules and/or the documentation of the ideas that led to them are important. The same goes for the new render tool chain you proposed.

Of course, this doesn’t just apply to your work: the creators of the OpenTopoMap i.e. called for help at least four times, and there was no one who would have taken money to rent a server, copy the code, and get it working again. This is where the why comes into play: why would someone have done this? The question of why (would someone do this or that) is far too rarely asked in the world of OSM. To move the project forward, the OSMF should address it.

Saying I think this project is important is fundamentally different from real action (spending time and money), ensuring that the project stays alive and continues to develop.

This is what StyXman tried to document – in parts – on github. The software analogy would be an algorithm. Donald Knuth spent a substantial part of his life documenting algorithms and i don’t think anyone would call him a masochist because of that.

Mr Knuth did an amazing job analysing and explaining data structures and algorithms, but he proofread his work badly. Half a century later, it still contains typos. That’s because proofreading is boring. Proofreading 10,000 pages, even more so. So he didn’t. At least not with the same effort he put into writing the books.

Additionally: Mr Knuth created his work. He has full rights, and I assume he’s made quite a fortune selling his books. Documenting rendering rules/ideas does not make the rules/ideas yours. You couldn’t even release the result as CC0. Therefore, I think that Knuth is a bad example.

In any case, I hope you find a volunteer to do the boring work. Or that the OSMF will pay someone to do it. But I would not bet on it.

Wolf on 11. March 2025 at 15:04:

From my point of view, tastrax did not write about communication channels. Just like I didn't write about programming. What he basically said was:

  1. There are always (new) people.
  2. You can reach these people.
  3. If these people don't care about OsmCarto, it's not a problem of OSM in general, but one of OsmCarto.

I would like to add: the project that is important to you is not important to them. (The Sie/sie pun works only in German language.) It is so unimportant to them that even a mention of it in the weekly news led to just a single reaction. 🙄

Kommentare zu Das OpenStreetMap-Sommergewitter vom

Wolf am :

Um bei Ihrem Bild zu bleiben: Wir hatten kein Sommergewitter, sondern nur ein laues Lüftchen. Die Overton-Sonne brennt wie zuvor brutal auf die OSM-Welt und sorgt für ausgedorrte Diskussions-Äcker, auf denen Ideenpflänzchen absterben. Um Ihr Bild zu übertreiben: Glücklich, wer im wilden und unregulierten Ideen-Urwald bunt leuchtende Ideenfrüchte sammeln und daraus einen fruchtigen Projekt-Punsch bereiten kann.

Wolf am :

Dann mal Butter bei die Fische.

Es ist unfassbar, welcher Hass den Erstellern dieser Fäden entgegenschlägt:

https://community.openstreetmap.org/t/why-are-we-creating-a-design-system-for-osm/131530
https://community.openstreetmap.org/t/the-next-generation-of-openstreetmap-in-python/105621/112

Die OSM-Nomenklatura hat sich eingefunden, die Projekte verächtlich zu machen, zu verhöhnen, niederzumachen und zu zerstören. Dabei geht es mir nicht um den Inhalt der Projekte – ich bin nicht in einer Position, diese zu beurteilen –, sondern um die Form des Umgangs mit Menschen, die mit frischen Ideen kommen.

Was dabei offensichtlich wird: Es werden keine frischen Projekte (mit neuen Häuptlingen) gesucht – oder auch nur akzeptiert –, sondern es werden Indianer gesucht, die bestehenden Projekten zuarbeiten und sich dabei den bestehenden Strukturen (und Häuptlingen) unterordnen. Besonders Herr Ramm ist da überaus deutlich:

efforts have been made to get them to actually contribute their time and brilliant coding to the existing OpenStreetMap website - they have submitted to the not-invented-here syndrome because they can’t be bothered to be a team player

Merke: nur wer in einem von der für die Zulassung von Teams zugelassenen Karlsruher Teamzulassungsstelle als zulässig beschiedenem Team arbeitet, ist ein Teamplayer, nicht aber, wer in einem eigenen (Qualtätsmedien™ würden schreiben selbsternannten) Team ohne Zulassung arbeitet.

Merke: Wer in einem eigenen Team arbeitet, ist kein Teamplayer.

Den bisherigen Tiefpunkt hat das OSM-Projekt dann mit diesem Posting erreicht:

https://community.openstreetmap.org/t/use-of-openstreetmap-ng-domain/132716
Mir ist zu Ohren gekommen, dass jemand ohne Genehmigung das Wort OpenStreetMap benutzt.
.oO(Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was!)

Ich hätte – wenn überhaupt – allenfalls eine E-Mail an das OSMF oder das LWG geschrieben, aber ins Forum? Was ist da los? Ich mag ein Schwester-Projekt nicht, also versuche ich es über die juristische Schiene zu zerstören? Ein Schwester-Projekt?? Und die Dauer-Besucher des Forums sekundieren das.🙄

Ich halte die ausgedorrten Diskussions-Äcker, auf denen Ideenpflänzchen absterben, für zutreffend. Und verstehe nicht, wo Sie einen frischen Wind wittern.

Wolf am :

Mir wurde schon mehrfach vorgeworfen, ich würde OSM nicht mögen (hat einen Brass auf OSM). Doch nichts könnte falscher sein. Mein Gefühl für OSM chargiert zwischen Wehmut und Verzweiflung, die Verzweiflung oft an der Grenze zur Wut. (Oder darüber.) Das hat natürlich Einfluss auf die Art, wie ich schreibe.

Kurz ausgeholt: Unser Gastgeber schrieb irgendwo (ich finde leider die Seite nicht mehr), dass er klare Regeln für seine Kommunikation aufgestellt hat. Und ganz offensichtlich lebt er die auch. (Anders als z.B. das Diversity-Gefordere bei OSM, welches in der Realität mit Füßen getreten wird.) Deshalb tun die Beiträge, Posts wie Kommentare, niemandem weh. Das führt aber auch dazu, dass die Beiträge, so interessant und nachdenkenswert im Inhalt auch immer, in der Form seltsam blass und farblos wirken. Jedenfalls bei mir. Möglicherweise ist das auch ein Grund für die geringe Resonanz.

Im Gegensatz zu dieser – ich nenne es einmal – Vorzensur betreibe ich Nachzensur. Ich schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist, lasse aber bei allem, was ich auf fremden Seiten poste und was nicht rein technisch oder völlig harmlos ist, vor dem Posten einen Freund darüberschauen. Damit können meine Postings schon mal weh tun, sollten aber niemals ätzend werden oder gar justiziabel. Bei meinem vorausgehenden Kommentar z. B. hab ich einen Satz zusammengestrichen und einen Absatz weggelassen, weil der zu persönlich war. Das Erfassung von Rettungssektoren-Pamphlet hat, weil ich darin Personen direkt anspreche, eine Woche Überarbeitungen bis zur Freigabe gebraucht. Ich hab auch schon einen Artikel gelöscht, weil mein Lektor ätzend, irreparabel bewertet hatte.

(Das mag alles etwas off-topic klingen, ich halte aber für ein Grundproblem der Kommunikation bei OSM die on-topic-Regeln. Manchmal muss man ausholen, damit das Gegenüber verstehen kann, wie ich zu meinem Ergebnis gekommen bin, und ich verstehen kann, wie das Gegenüber zu seinem Ergebnis gekommen ist. Oft findet man so heraus, dass die unterschiedlichen Ergebnisse trotz gleicher Fakten ganz banal auf einer unterschiedlichen Bewertung eines Fakts beruhen, man versteht die andere Seite (und könnte deren Position in einer Diskussion vertreten). Und man kann sich auf Let's agree to not agree verständigen. Was so viel besser ist als ein end- und ergebnisloses Ich hab recht! Nein, ich hab recht!.)

Zurück zur Diskussion.

Anders als mein Vorposter halte ich nicht die alteingesessenen Akteure (in Wolf-Lingo: Großkopferte / Nomenklatura) für den Kern des Problems. Für viel schlimmer halte ich, zumindest in der deutschen Community, die große Zahl der gedankenlosen Mitläufer, die den alteingesessenen Akteure erst ihre Macht verleihen. Wenn z.B. einer der alteingesessenen Akteure regelmäßig gegen Tagging-Standards ätzt, gleichzeitig aber OSM-Daten mit standardisiertem Tagging verkauft, kann ich den leicht auf der Fakten-Ebene angreifen. Genauer: könnte. Denn das funktioniert nicht, wenn eine Horde von Mitläufern den Faden kapert und derailt. Da verzettele ich mich mit irrelevanten Detail-Streitereien, und am Ende bleibt außer Spesen nichts gewesen. Wenn die alteingesessenen Akteure neue Ideen ablehnen, sobald diese ihren Geschäftsinteressen zuwiderlaufen, so ist für jeden nachvollziehbar. Deshalb kann ich auch das angreifen. Das Problem ist halt, dass die Meute jedem in den Rücken fällt, der etwas zu ändern versucht. Das alles erinnert an das Experiment mit den fünf Affen.

Beim Thema Nachwuchs stimme ich meinem Vorposter zu: Ja, da ist ganz eindeutig ein erfreulich kreatives Engagement. Das aber abgewürgt wird: Weiterentwicklung findet im Privaten statt und wird allenfalls noch der Community vorgestellt.

Das war nicht immer so. Ich erinnere mich zum Beispiel an den Start der OpeningHours. Da hatte ich eine rudimentäre Implementierung vorgestellt (einer muss immer den ersten Schritt tun), und die Weiterentwicklung fand im Forum statt. Jede Idee mit hinreichendem Konsens eingetippert und ab in die nächste Runde. Entwicklung entlang der Wünsche der Nutzer. Schneller und mit besserem Ergebnis, als man das im stillen Kämmerlein je könnte. Oder nehmen wir das Flächenrouting von Maxbe: einer tippert, und die Gemeinschaft steuert konstruktiv Ideen bei. Heute in dieser Form nicht mehr möglich.

Dass Neue gleich wieder verschwinden, ist kein Wunder, wenn man sieht, wie mit denen umgegangen wird.

Nehmen wir den mit der Klage, dass seine Stadt auf OsmCarto mit Symbolen überflutet wird. Nicht ein einziger hilfreicher Beitrag. Kritik nicht erwünscht. Gar die Aufforderung, er möge sich selber eine Karte generieren? Was für ein dämlicher Unsinn und wie abstoßend! Seine Kritik war völlig berechtigt. Und der Grund für das Problem ist für jeden ohne Scheuklappen offensichtlich: auch nach 20 Jahren hat die OSM-Community es nicht geschafft, eine zumindest rudimentäre Generalisierung zu bauen. Nicht Auswahl und Priorisierung der Objekte ausschließlich abhängig von der Zoom-Stufe, sondern auch Berücksichtigung der Objekte in der Umgebung oder zumindest der Objektdichte. Einen ähnlichen Wunsch, eine Ruine auf der Alm auch in größeren Maßstäben zu zeichnen, weil die als Orientierung dient (aus meiner Sicht: weil es weit und breit nichts anderes gibt), wurde genauso destruktiv behandelt.

Ich hab ein paar der abgewürgten Leute per DM angeschrieben, um zu retten, was zu retten ist. Das Problem mit der fehlenden Generalisierung erklärt. Dem mit der Frage nach japanischen Postleitzahlen ein CSV mit den (wenigen) in der OSM-DB enthaltenen japanischen Postleitzahlen geschickt, für eine informierte Entscheidung. Oder nur ein: Nehmen Sie das nicht persönlich, Sie sind nicht erste, dem das passiert. Mit der Antwort: Ich bin überrascht, dass mehrere mich per DM angeschrieben haben. Die OSMF-verantwortete Foren-Moderation hat es geschafft, konstruktive Kommunikation in den Untergrund zu treiben.

Nach außen hin wirkt OSM ja freundlich und offen, aber sobald man die Praxis (die Mappingebene) verlässt und es um strategische Entscheidungen und Mitbestimmung geht, ändert sich der persönliche Umgang schlagartig.

Ich versuche seit Jahren, Leute mit technischem Verstand für das OSM-Projekt zu gewinnen. Vor schon längerer Zeit hatte ich einen Datenbank-Menschen an der Hand. Betreut und entwickelt erschreckend große hochverfügbare Datenbanken mit Echtzeit-Zugriff im Finanzbereich. Wäre sicher ein Gewinn für die OWG geworden. Aber, ach. Ich hatte den auf eine Diskussion zum OSM-Datenmodell im Forum gestupst, und leider ist genau die völlig entgleist. Verbrannt. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Oder gucken wir drei Wochen zurück. Da beklagte sich jemand darüber, dass die Nominatim-Suche in Japan nicht gut funktioniere. Grund dafür war, wie im Forum erklärt wurde, dass eine benötigte Mappingtabelle fast keine Einträge habe. Ich bin also hingegangen, hab die Tabellen für Deutsch und die für Englisch zusammengeworfen und daraus einen Rohling für Japanisch als OOCalc gebaut und einem Japaner gegeben, den ich gerne für OSM werben möchte. Der hat die Tabelle ausgefüllt und dabei eine weitere Spalte eingefügt, mit der man die Tabelle alphabetisch (genauer: aiueokakikukeko-isch) sortieren kann. Zusammen 100 kB. Und was passierte? Wurde gelöscht. Begründung: Nominatim ist picky, man könne das Zeug ja wieder entlöschen. Statt das Import-Skript um eine fucking Zeile zu ergänzen, die überflüssige Spalten verwirft, werden die Daten gelöscht. Gleichzeitig liest man Sadly this is unlikely to change unless Nominatim gets a regular contributor that is familiar with Japanese. Ja, woher soll der kommen? Der ist verbrannt. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Zurzeit habe ich Kontakt zu einem begnadeten Grafiker, der früher im Landesvermessungsamt in der Kartografie gearbeitet hat. Wäre ein Hauptgewinn für OSM. Was soll ich jetzt machen? Den auch verbrennen? Oder lieber ein privates Projekt mit dem starten und das an unsere Konkurrenz verkaufen?

An den Schalthebeln, wo Entscheidungen getroffen werden (OSMF, Diskussionsforen) bemerke ich mittlerweile nämlich einen abweisenden und rohen Tonfall. Deshalb habe ich mich persönlich aus diesem Bereich auch zurückgezogen, weil ich meine Nerven in einer ehrenamtlichen Tätigkeit nicht derart beanspruchen will. 13 Jahre Erfahrung unterstützen diese Beobachtung.

Willkommen im Club.

Damit es zum Abschluss zumindest noch ein bisschen on-topic wird: Es gibt bei OSM keinen Sommersturm. Kann es nicht geben. Denn Sommerstürme sind generell unzulässig. Sommerstürme werden in einen neuen Faden verschoben, und dann nach Meldungen aus der Community (wer's glaubt) versteckt.

Gruß Wolf

Kommentar zu Neue Kartenebenen auf osm.org vom

Wolf am :

Wenn Sie im Rotfuchs die OSM-Hauptseite aufrufen, die Entwickler-Konsole öffnen (Shift-Ctrl-K) und dann auf Shortbread umschalten, werden Sie von einem WebGL warning: texImage: Alpha-premult and y-flip are deprecated for non-DOM-Element uploads. begrüßt. Also doch, MapLibre ist um WebGL herum gebaut und funktioniert nur, wenn WebGL verfügbar ist. (Sie können auch in der größten der heruntergeladenen JavaScript-Dateien nachschauen.)

Was die von Ihnen verknüpfte Seite sagt: zurzeit wird die MapLibre-API über einen ML-Leaflet-Interface-Layer genutzt; dadurch sind nur die Funktionen von MapLibre nutzbar, die Leaflet kennt. Wir können also nicht alle Möglichkeiten von MapLibre nutzen, müssen aber nichtsdestotrotz alle Anforderungen von MapLibre erfüllen.

Obige Warnung ist leider ein Symptom für den Zustand von MapLibre. Wenn Sie die Issues anschauen, sehen Sie dort kaum große Probleme, sondern eine Vielzahl kleinerer: hier klemmt es, da quietscht es, dies funktioniert nicht dem, das funktioniert nicht mit jenem, wenn x größer als y ist, flackert es, verwenden Sie jenes zusammen mit solchem, bricht die Performance zusammen, und wenn a größer als b ist, stürzt es ab.

M.E. brauchte MapLibre eine Konsolidierungsphase, in der diese Konflikte aufgelöst werden und ein solides Fundament gegossen wird für alles, was kommen mag. Stattdessen schaut es eher nach Vorwärtspeitschen mit Mut zur Lücke aus. Ich bin gespannt, ob und welchen Einfluss die Nutzung auf der OSM-Hauptseite auf diese Strategie hat.

Unabhängig von MapLibre an sich, ist möglicherweise dieser Faden (4½ Jahre alt) auf Github für Sie interessant:

https://github.com/maplibre/maplibre-gl-js/issues/50

Er zeigt, dass das Client-seitige Rendern einer Karte nicht nur den von Ihnen beschriebenen Einfluss auf die kartografische Qualität hat, sondern dass man technisch alle Paketabhängigkeiten (hier: Harfbuzz) des Server-seitigen Karten-Renderers auf den Client-seitigen Karten-Renderer kopiert.

Wolf am :

Ich zitiere nicht, sondern beziehe mich auf die Absätze.

  1. WebGL wird nicht nur genutzt, wenn es da ist, sondern ist erforderlich (in der aktuellen Entwicklungsversion sogar WebGL2).

    1. Eine vernünftige 3D-Darstellung z.B. ist nur damit möglich. CSS unterstützte zwar affine Abbildungen, man müsste aber die Fläche in extrem viele Trapeze oder Dreiecke aufteilen, damit Berge nicht wie Polyeder aussehen, und ich denke, das killt den Browser.
    2. MapLibre verwendet Fonts auf der Basis von Signed Distance Fields; auch diese sind realistisch nur mit WebGL zu nutzen.
    3. Ich habe mir den Code angeschaut. 🤓
  2. Wenn MapLibre nicht WebGL nutzen würde, wäre es nicht MapLibre, sondern Leaflet oder OpenLayers. Ob und wie sicherheitskritisch WebGL ist, weiß ich nicht, aber in den sauren Apfel muss man beißen. Ich arbeite auf alten Rechnern ohne Grafikprozessor, und interessanterweise läuft MapLibre auch ohne Hardwarebeschleunigung flüssig, stellt also keine übermäßigen Ansprüche.

    Andererseits hoffe ich, dass die OSMF weiterhin normale Karten-Tiles bereitstellt; ansonsten wäre es das Ende für leicht zu verstehende kleine PHP/GD-Tools (z.B. Anfahrskizze zum als Grafik herunterladen) oder meine zoom- und pan-bare Karte ohne JavaScript.

  3. Natürlich war für Sie klar, dass sehr viel Code portiert werden muss; ich aber hatte darüber noch nie nachgedacht. Am angesprochenen Issue stört mich besonders, dass MapLibre auf der einen Seite mit einem CoC hausieren geht, andererseits aber die Inder seit 4½ Jahren hängen lässt. (Wobei das MapLibre-CoC die Diskriminierung nach Sprache zulässt.)

  4. MapLibre ist (leider) in einem gruseligen Zustand.

    Das wissen die Maintainer auch, wie man an den Bounty direction-Issues sehen kann, die zusammengenommen nach einmal komplett durchpflügen oder sogar Teile neu schreiben schreien:

    https://github.com/maplibre/maplibre/issues?q=is%3Aissue%20label%3A%22bounty%20direction%22

    Wie viel Geld in MapLibre steckt, weiß ich nicht [Nachtrag: jetzt schon 🤪]; ich sehe aber, dass Geld alleine nicht reicht: Obwohl mit einem 3000 $ (!)-Bounty versehen, ist das Devanagari-Issue wegen der Gesamtkomplexität nach 4½ Jahren immer noch nicht gefixt.

    Bei Ihrem 10-Punkte-Plan erscheint mir das Verhältnis von Aufwand (von mir geschätzt, ich bin da aber Amateur und hab insbesondere noch nie in den Mapnik-Code geschaut) zur erreichbaren Verbesserung nicht besonders gut. M.E. müsste man für einen wirklichen Durchbruch endlich mit automatisierter Generalisierung beginnen; und weil man da bei null startet, ist das eher kein Freizeitprojekt. Ich würde wohl die Punkte 2a und 8a einfügen: Daten in eine leicht manipulierbare Form bringen, zum Beispiel einen geplätteten Graphen, und dann einen Haufen Bachelor- und Master-Arbeiten vergeben.

Gruß Wolf

Nachtrag: Ich will ML keinesfalls schlechtreden. ML ist eine der Möglichkeiten für ein neues Frontend der Historic.place, und dafür hab ich schon ein knappes Dutzend Controls gebaut. Es gibt auch einen Fix für das Devanagari-Problem; den reiche ich aber nicht ein, zum einen, weil wegen der unübersichtlichen Struktur von ML ich die Nebenwirkungen nicht abschätzen kann, und zum anderen, weil mir widerstrebt, den Unit-Test zu bauen. Bei uns ist Standard, dass niemand Tests für eigenen Code schreibt.

Ich mag MapLibre wegen der 3D-Darstellung. Ich bin grünblind, dadurch leidet die Farbtiefe von Karten, und die 3D-Darstellung gleicht das ein wenig aus. Deshalb gefällt mir auch die OpenTopo besser als OsmCarto. Allerdings ist die 3D-Darstellung von MapLibre (noch) nicht wirklich schön, es ist halt eine normale Karte auf ein tiefgezogenes Relief aufgeklebt. Was unter anderem dazu führt, dass alle Bäume sowie Seilbahnstrecken auf dem Boden liegen und Straßen und Bäche durch einen Hang eine Querneigung haben.🤪

Wolf am :

Wow. Now I understand why you're angry.

Your new toolchain could easily have been built with these sums, and there would have been plenty of money left over to program the basic functions required for generalisation, including the cartographer(s) on whose cooperation the programmers depend. It's a shame.

Kommentare zu Überlegungen aus dem Hack–Weekend in Karlsruhe vom

Wolf am :

Moins,

Das Fazit also: Sie hätten dies bereits 2022/2023 bekommen können, indem Sie es einfach von meiner begrenzten Freizeit-To-Do-Liste in meinen bezahlten Zeitplan verschoben hätten – mit einem eher minimalen Budget.

Dass das nicht passiert ist, muss nicht unbedingt daran liegen, dass Sie zur Gruppe 2 gehören. Sondern vielleicht gab/gibt es einfach kein Interesse an der Taginfo-Datei? Wie ich gerade selbst erlebe, ist es sehr einfach, die Wichtigkeit von Dingen zu überschätzen, die man persönlich für wichtig hält.

Um mit Herrn Ramm zu sprechen: Und wenn es nicht kommt - dann ist es vielleicht wirklich einfach nicht wichtig genug.

Gruß Wolf

Kommentare zu WeeklyOSM, Anerkennung und Motivation von Freiwilligen vom

Wolf am :

Ein paar Anmerkungen.

Warum hat WeeklyOSM dennoch Schwierigkeiten bei der Rekrutierung? Ilya nennt Burn-out und mangelnde Wertschätzung als Gründe.

Sie zäumen das Pferd vom falschen Ende her auf. Der mangelnden Wertschätzung ermangelt es mir erst dann, wenn ich bereits dabei bin. Sie kann ein Grund sein, aufzuhören, ist aber kein Grund, nicht anzufangen. Sie brauchen Gründe für das Mitmachen, und WeeklyOSM konkurriert da mit zigtausenden anderen möglichen Hobbys. Seien wir mal ehrlich: Eine Linksammlung-to-go ist nicht wirklich ein cooles Projekt.

und ignoriert im Wesentlichen, dass es vor allem Projekte sind, in denen man nur ein austauschbarer Arbeiter ist, der nach einiger Zeit ausgebrannt und ersetzt wird, die intrinsisch motivierte Freiwillige abschrecken.

Sie sind in *allen* Projekten ein austauschbarer Arbeiter. Und das ist durchaus so gewünscht. Denn wo kämen wir hin, wenn einzelne plötzlich eine Bedeutung bekämen, die nur den kommerziellen OSM-Datenverwertern zusteht?

[...] würde das bedeuten, dass OSM derzeit nicht-technische Freiwillige 15- bis 20-mal effizienter demotiviert als technische Freiwillige.

Ich würde nicht auf das technisch vs. nicht technisch abstellen, sondern auf Erstellen von Werkzeugen vs. Erstellen von Content. Die sich in der Tat fundamental unterscheiden: Werkzeuge kann es kaum genug geben, während es an Content längst zu viel gibt: Wir ersaufen darin.

Was kann man dagegen tun? Nun, die OSM-Community müsste Tätigkeiten außerhalb technischer Bereiche und des Managements mehr wertschätzen. Viel mehr wertschätzen. Und bevor Sie auf irgendwelche Ideen kommen – So tun als ob hilft hier nicht, ich spreche von echter Wertschätzung.

Und wie soll eine standardisierte, aber nicht-monetäre Wertschätzung für Content jenseits von Haddugutgemacht aussehen? Mitarbeiter-des-Monats und Held-der-Arbeit sind keine Wertschätzung, sondern eine Beleidigung. Erst gemeinte Frage, denn ich habe keine Idee. Während ehrliche Wertschätzung für ein Werkzeug sich bereits durch die Nutzung des Werkzeugs ausdrückt.

Normale Mitglieder der OSM-Community schätzen nicht-technische Arbeit – wie die Überprüfung und Zusammenstellung von Nachrichten, wie es WeeklyOSM tut, soziale und intellektuelle Reflexion und Kommentierung, gutes Kartendesign usw. – genauso wie technische Arbeit.

Hier möchte ich widersprechen: Content wie das WeeklyOSM wird konsumiert, solange es da ist. Ist es irgendwann weg, wird halt was anderes konsumiert. Das ist nicht spezifisch für OSM, sondern eine netzweite Folge des Überangebotes an Content. Sie merken es spätestens dann, wenn sie an der Finanzierung für Content scheitern. Es hat schon einen Grund, warum das Web so werbeverseucht ist.

Versuchen Sie mal festzustellen, wie viele Euronen Sie monatlich zur Finanzierung des WeeklyOSM beschaffen könnten, das fast jeder in der OSM-Community liest; dann wissen Sie, wie weit es mit der Wertschätzung hin ist. Finden Sie XYZ wichtig?, ist keine zur Wahrheitsfindung geeignete Frage. Sondern Welches Abo für XYZ möchten Sie abschließen?

meiner Beobachtung nach schaut ein erstaunlich hoher Prozentsatz von ihnen im Grunde genommen auf Menschen herab, die nicht-technische Arbeit leisten.

Dann haben Sie mit mittelmäßigen bis schlechten Technikern zu tun. Gute Leute kennen ihre Grenzen und wissen insbesondere auch, dass sie ohne die anderen Gewerke gar nichts sind.

Was wir brauchen, ist ein lebhafter, kritischer und unabhängiger intellektueller Diskurs in der OSM-Community über technische und nicht-technische Themen, denn nur so kann in der Community eine echte Wertschätzung für die Beiträge der Menschen entstehen.

Schaffen Sie eine Plattform für einen solchen Diskurs.🙂

Dies ist jedoch unwahrscheinlich, solange dies wirtschaftlich als Nullsummenspiel betrachtet wird (d. h. dass alles Geld, das in diese Dinge investiert wird, als Verlust an anderer Stelle angesehen wird).

Ich kann mir einen schnelleren Rechner mit mehr Speicher gönnen, um komplexere Algorithmen zu rechnen. Oder ich kann Sie für die Erstellung des Taginfo-Datensatzes bezahlen. Aber nicht beides. Was ich für A ausgebe, kann ich nicht für B ausgeben. Das hat doch nichts mit Nullsummenspiel zu tun. Das ist einfach so, bei begrenztem Etat.

Wolf am :

Nachtrag.

Beispielsweise, wenn mittelmäßige Softwareprojekte mit Geld überschüttet und in der öffentlichen Kommunikation über alle Maßen gelobt werden, weil sie eine derzeit angesagte Nische füllen,

Butter bei die Fische: Welche mittelmäßige Softwareprojekte (Plural!) werden überschüttet und in der öffentlichen Kommunikation über alle Maßen gelobt? (MabLibre ist nicht mittelmäßig, sondern da stehen nur rein gestecktes Geld und Codequalität in keinem gesunden Verhältnis.)

während es außergewöhnlich qualifizierte und talentierte Entwickler gibt, die mit einer langfristigen Vision an wirklich innovativen Technologien arbeiten und dabei Schwierigkeiten haben, auch nur einen bescheidenen Lebensunterhalt damit zu verdienen.

Dito: Welche außergewöhnlich qualifizierte und talentierte Entwickler (Plural!) arbeiten mit welcher Vision an welchen innovativen Technologien? Und wer hat die Außergewöhnlichkeit und Innovativität testiert?

Davon ganz unabhängig: Wenn ich privat an meiner Vision arbeite, erwarte ich nicht, dass Sie oder sonst jemand mich dafür bezahlen. Ich mache das in meiner Freizeit oder ich finanziere mich mit Risikokapital. Ich meine, warum sollte mir jemand Geld nachwerfen dafür, dass ich meinen Interessen nachgehe?

Kommentar zu Digitale Ökosysteme und Lobbyarbeit vom

Wolf am :

Ein paar Anmerkungen.

Eines der Kernkriterien des STF ist die Prävalenz – was im Wesentlichen bedeutet, dass nur Projekte gefördert werden sollen, die bereits eine gewisse Marktdominanz erreicht haben.

Da möchte ich fragen: Ja was denn sonst?

Es können nicht alle Projekte gefördert werden; also müssen wir auswählen. Und das Kriterium Projekte, die von den Kunden angenommen wurden mag nicht perfekt sein, es ist aber ein halbwegs objektives Kriterium. Denn was ist die Alternative? Eine Kommission, die Punkte vergibt und dann entscheidet? Wir haben gesehen, wie absurd die Auswahl der durch die OSMF (minimal) geförderten Projekte war. Und das wird, so sagt meine Kristallkugel, in Brüssel, wo eine obszöne Zahl von Lobbyisten ihr Unwesen treibt, sicher nicht besser sein.

Einer der großen praktischen Vorteile von Open-Source-Software ist die Vielfalt der verschiedenen Lösungen, die sowohl Anwendern als auch Entwicklern zur Verfügung stehen, und die daraus resultierende Widerstandsfähigkeit.

Gleichzeitig zerfasern dadurch die Ressourcen, kein Projekt hat genug Mitarbeiter, die erstellte Software wimmelt von Fehlern, es gibt keine verständliche Dokumentation (das bügeln zum Glück LLMs gerade aus), und Projekte werden niemals fertig, sondern bleiben bei 90 % stehen – verständlich, denn die letzten 10 % machen keinen Spaß mehr.

Darunter leiden die Kunden. Nicht nur unter der schlechten Qualität, sondern bereits darunter, dass sie Entscheidungen treffen sollen, für die sie keine Kriterien haben: BSD oder Linux? Welche der 7563237874857 Distributionen? X11 oder Wayland? OpenOffice oder LibreOffice? Nein, die tollen Wahlmöglichkeiten sind nicht toll; ganz im Gegenteil bedeuten sie Stress pur.

Während Sie in der realen Welt genau eine Entscheidung treffen: Apple oder Microsoft. Done. Und ja, ich weiß, wie Sie da ausgespäht und bevormundet werden. Aber solange wir nicht nutzerzentriert arbeiten, werden all die tollen Open-Source-Produkte von Freaks genutzt — und sie helfen Unternehmen wie Amazon, Apple, Facebook und Google dabei, ihre Kunden – oder besser Opfer – zu versklaven. Während die Welt der normalen Menschen weiterhin von Apple und Microsoft bestimmt wird.

Die Vielfalt der verschiedenen Lösungen wird daran nichts ändern. Ganz im Gegenteil.

Es ist jedoch bemerkenswert, dass man allen hier ostentativ vor Augen führt, dass man Steuergelder einsetzt, um im Wesentlichen bereits erfolgreiche und einflussreiche Projekte vor aufstrebender Konkurrenz zu schützen. Dies gilt umso mehr, wenn diese Vorgehensweise von der Entwicklergemeinde sogar mit Beifall aufgenommen wird.

Hätten Sie etwas anderes erwartet? Die Förderung großer Projekte bekommt mehr Beifall, weil große Projekte mehr Anhänger haben. Und eine pseudodemokratische Kommission zur Verteilung der Gelder würde zum gleichen Ergebnis führen, weil ein großes Projekt auch mehr Leute in die Kommission lobbyieren kann. Und wird.

Dazu gehören beispielsweise die Gesetze gegen die Umgehung technischer Maßnahmen, die eingeführt wurden, um Menschen daran zu hindern, die Technologie zu kontrollieren, die sie legal besitzen.

Nein. Die wurden nicht eingeführt, um abstrakt Menschen an irgendwas zu hindern. Die wurden eingeführt, weil eine zig-Milliarden-Industrie um ihre Pfründe fürchtet.

Diese Dinge sind für offene digitale Ökosysteme viel wichtiger als eine kurzfristige Finanzspritze.

Und eine tiefenkorrupte Lobbykratie wie die EU wird diese Gesetze weiter verschärfen, aber sicher nicht aufheben.

Ob diese Initiative ein Hinweis auf eine tatsächliche ernsthafte Bewegung hin zu einer offeneren digitalen Welt in Europa ist oder ob es sich im Wesentlichen nur um einen Versuch handelt, durch ein kurzfristiges Förderprogramm billige Arbeit aus der FOSS-Community für bestimmte Interessengebiete einflussreicher Akteure zu beschaffen, ist ungewiss.

🙊

Fazit: Wenn Sie Feedback zu dieser Initiative der Europäischen Kommission geben möchten, empfehle ich Ihnen, sich auf die folgenden Ideen zu konzentrieren:
  • Die EU-Politik sollte so angepasst werden, dass sie kleine und unabhängige Akteure in diesem Bereich unterstützt, anstatt ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, und dass sie die Offenheit sowohl von Technologie als auch von Wissens schützt und unterstützt – beispielsweise durch die Aufhebung von Gesetzen zur Umgehung von Schutzmaßnahmen.

Sorry, aber 🤣

  • Öffentliche Mittel sollten zur Unterstützung von Innovationen und insbesondere für Arbeiten in Phasen vor der Entwicklung konkreter Produkte bereitgestellt werden.

Und nach welchen (objektiven) Kriterien wählen Sie die Projekte aus? Meine Kristallkugel sagt mir, dass das Geld an Projekte gehen wird, die den Zeitgeist bedienen und/oder deren Gründer gut vernetzt sind:

Natürlich hat jemand, der […] sich persönlich mit anderen Leuten trifft, mehr Einfluss als jemand, der […] persönliche Treffen meidet

Überlegen Sie mal, wer im Umfeld von OSM gefördert würde? Hint: Sie sind es nicht. Ich auch nicht.

Zum Abschluss etwas Konstruktives

Meine Empfehlungen wären:

  1. Überhaupt keine Förderung für Projekte, egal ob klein oder groß.

    Es gibt keine Möglichkeit für eine faire Auswahl, und jede Art von Förderung würde die Situation verschlimmern und Korruption fördern.

  2. Gründung einer EU-finanzierten und gemeinnützigen Unternehmung, die Open-Source-Software fertigstellt, also all das macht, wozu Open-Source-Entwickler keine Lust haben, und was deshalb nicht gemacht wird:
    • Konsistentes UI/UX
    • Fehlerarmut (mit EU-Finanzierung kann man sich Absint-Lizenzen leisten)
    • Anständige Dokumentation
    • You name it.

    Das Ziel wäre Software oder allgemein Produkte, die den Vergleich mit der kommerziellen Konkurrenz nicht zu scheuen brauchen.

    Und da das alles wirklich keinen Spaß macht, geht es nur mit bezahlten Entwicklern, UI-, UX- und A11Y-Kundigen. Mit sogar sehr vielen Leuten, denn es gibt einen riesigen Rückstand aufzuarbeiten, und nein, das geht nicht mit sogenannter KI.

Aber auf mich hört eh nie jemand.