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Angst vor schlechten Zeiten - geht uns jetzt das Geld aus?

Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Immer mehr Menschen bangen um Einkommen, Altersvorsorge und soziale Sicherheit. Zuerst enttäuschten die Aktieneinbrüche einst hoffnungsvolle Anleger, dann rutschte die Konjunktur ab. Jetzt mehren sich die Alarmzeichen - schätzungsweise 40 000 Betriebe werden dieses Jahr Insolvenz anmelden. Der Handel klagt, dass keiner mehr kaufen will. Mittelständler haben es schwer, Kredite zu bekommen. Sogar Banken geraten in Schieflage. Inzwischen drehen schon Besserverdienende jeden Cent zwei Mal um und gehen im Discounter auf Schnäppchenjagd. Gibt es einen Königsweg aus der Krise? Wieland Backes fragt nach im NACHTCAFé am 29.11.2002 um 22.00 Uhr im SÜDWEST Fernsehen. Die Gäste: Olaf Scholz, Generalsekretär der SPD und einer der wichtigsten Frontmänner der Regierung, muss in diesen Zeiten viel Kritik abfangen. Nicht nur, dass die Opposition einen Untersuchungsausschuss wegen Wahlbetrug verlangt. Auch der sogenannte "blaue Brief" der EU aus Brüssel zerstörte das Vertrauen der Wähler. Die Neuverschuldung liegt über dem 3%-Wert der Messlatte, die einst gerade Deutschland hoch gelegt hatte. Dennoch lautet die Devise des Generalsekretärs: Nicht wegducken - es gibt keine Alternative zum Sparkurs der Regierung. Gabriele Musil würde mitziehen - wenn sie nur einsehen könnte, dass die Einschnitte wirklich zu einer tiefgreifenden Reform führen würden. Doch wenn die Eigenheimzulage wegfällt, sieht die Architektin schwarz für ihre bereits jetzt stark zurückgegangene Auftragslage. Privat muss sie sich mit ihrer Familie seit zwei Jahren einschränken. Obwohl ihr Mann hochqualifiziert als Arzt im Krankenhaus arbeitet, gab es dieses Jahr keinen mehrwöchigen Sommerurlaub, Kleidung wird zunehmend gebraucht gekauft, Putzfrau und Au Pair sind gestrichen, Kinobesuche werden verschoben - und trotzdem bleibt nichts übrig. Dr. Susanne Mayer prophezeit eine düstere Zukunft: Bald werden nicht mehr die Arbeitslosen unser größtes Problem sein. Es sind vielmehr die alten Menschen, die gegenüber den Jungen in der Überzahl sein werden. Wer dann die Renten aufbringen soll, die Pflegefälle versorgen wird, steht in den Sternen. Darum fordert die ZEIT-Journalistin eine entschieden parteiische Politik für Kinder. Nur wenn hier eine deutliche Kehrtwende eingeleitet werde, hätten die Menschen, die heute noch arbeiten, morgen ein Auskommen. Prof. Gerhard Raab stellt fest, dass die Angst vor schlechten Zeiten spürbar zugenommen hat. Grund dazu besteht - wenn schon Banken Massenentlassungen vornehmen, bringt alles positive Denken nichts. Auf der anderen Seite leben wir im Vergleich zu anderen Ländern auf hohem Niveau. Nur: Wenn Pleitemanager dicke Abfindungen kassieren, geht die Eigenverantwortlichkeit den Bach hinunter. Was verloren geht, ist das Vertrauen der Menschen in den Staat und seine Vertreter. Da hilft nur, den Bürgern die Wahrheit sagen und in die Reformpläne einzubeziehen. Denn es soll den Silberstreif am Horizont nach seiner Auffassung geben. Jürgen Volk sieht diesen nicht - er leitete 21 Jahre lang ein Textilunternehmen und belieferte Kaufhäuser wie Breuninger oder Peek & Cloppenburg. Seit drei Jahren spürt er die Zurückhaltung der Konsumenten. Letztes Jahr musste er Insolvenz anmelden. Eine nicht gestundete Steuerzahlung und die darauffolgende Weigerung der Bank ihm einen Kredit zu geben, bedeuteten binnen kurzem den Ruin des einst erfolgreichen Geschäftsmannes. Es ging ihm wie vielen Mittelständlern: Die Insolvenz kostete ihn Millionen und machte 100 Menschen arbeitslos. Er sagt: "Junge Selbständige haben keine Chance." Peter Geringhoff dagegen ist der Meinung, dass es bei uns nur an Ideen fehlt und zu Unrecht gejammert wird. Der engagierte Geschäftsführer von Strauss Innovation setzt ganz auf Flexibilität und Zeitgeist. Deswegen sieht jede Strauss-Filiale ein bisschen anders aus, ändert sich das Sortiment schnell, wenn ein neuer Trend entsteht und ist man stets bemüht, den Kunden jederzeit zu überraschen. Der Erfolg gibt ihm recht. Sein Unternehmen wächst, der Umsatz steigt. Einen Wunsch hat auch er: Weniger gesetzliche Beschränkungen für den Handel. An der Bar: Sebastian Neiderhell führt einen Landgasthof in Bayern. Bis 1999 ging es ihm gut - dann investierte er groß in Aktien. Vor allem die EM-TV-Beteiligungen kosteten ihn ein Vermögen. Noch drei Tage bevor der Kursturz bekannt wurde, beruhigten ihn die Haffa-Brüder am Telefon: Alles liefe prächtig. Ob der in diesen Tagen verhandelte Prozess gegen die EM-TV-Geschäftsführer in München Gerechtigkeit bringen wird, daran zweifelt der Wirt. Seine Alterssicherung ist dahin. Er ist um manche Erfahrung reicher - und um einen Betrag verschuldet, von dem er sich locker eine schöne Villa finanzieren könnte.

  1. 29.11.2002 22.00, SWR, Nachtcafé
  2. 30.11.2002 08.45, SWR, Nachtcafé
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