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Polen, schwierig' Nachbarland?

Scheitert Angela Merkel diese Woche an den Polen? Die ehrgeizigen Pläne der außenpolitisch bisher so erfolgreich operierenden Bundeskanzlerin, die ihre EU-Präsidentschaft mit einer Verfassungsinitiative krönen möchte, stoßen bisher auf den zähen Widerstand der Warschauer Regierung. Die in Deutschland gern bespöttelten Kaczynski-Zwillinge setzen zu Hause auf die Angst vor den großen und übermächtigen Deutschen, deren Machthunger es zu beschneiden gelte - und sie sind damit erfolgreich. Immerhin sprachen sich bei einer aktuellen Umfrage 49 Prozent der befragten Polen für ein Gipfel-Veto aus. Der Starrsinn Warschaus scheint Balsam für die polnische Seele zu sein, die uns Deutsche gerne als arrogant, brutal und dominant empfindet. Sind die nachbarschaftlichen Beziehungen, schon Jahrhunderte lang belastet, auf einem neuen Tiefpunkt angelangt? Nach etlichen deutsch-polnischen Irritationen in der jüngeren Vergangenheit - man denke nur an das Erika Steinbachs "Zentrum gegen Vertreibung", Schröders Ostsee-Pipeline oder die so genannte "Kartoffelkrise", als sich die Kaczynski-Zwillinge durch den Vergleich mit Erdäpfeln verunglimpft fühlten - glaubte man eigentlich: schlimmer geht's nimmer im deutsch-polnischen Verhältnis. Doch der aktuelle Streit um die Abstimmungsregeln der Europäischen Union scheint das Gegenteil zu beweisen. Will der mit Abstand größte Profiteur der unterschiedlichen EU-Förderprogramme nun tatsächlich die Europäische Union boykottieren? Polen erhält in den kommenden sieben Jahren beinahe 60 Milliarden Euro aus den Strukturfonds der EU. Die 39 Millionen Polen zwischen der malerischen Danziger Bucht und den Karpaten gehörten zu den Hauptakteuren der Ost-Erweiterung. Ein Volk, das unter anderem Harald Schmidt zu garstigen Höchstleistungen trieb: "Warum kaufen so viele Deutsche in Polen ein? Ganz einfach - sie sind zu blöd zum Klauen." Vorurteile über den immer noch großen, unbekannten Nachbarn im Osten, der "uns die Jobs weg nimmt und die Autos klaut", sind auch bei uns immer noch weit verbreitet und eignen sich durchaus zum Stammtischspott. Wie weit sind wir Deutschen mit schuld am schlechten Verhältnis? Woher kommen die Ängste und Vorbehalte auf beiden Seiten? Welche Folgen hätte ein Scheitern des Gipfels für die weitere Entwicklung der Union auf der einen und das deutsch-polnische Verhältnis auf der anderen Seite? Diese und andere Fragen diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen.

  1. 21.06.2007 22.15, ZDF, Maybrit Illner
  2. 22.06.2007 03.50, ZDF, Maybrit Illner
  3. 22.06.2007 17.30, Phönix, Maybrit Illner
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