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Die heutige Jugend - faul, cool und gewalttätig?

Die grausame Tat des 17jährigen Amokläufers Tim K. erschüttert das Land: 16 Menschen mussten am Mittwoch in Winnenden und Wendlingen ihr Leben lassen, nach einem Schusswechsel mit der Polizei erschoss sich der Täter selbst. Der Amokschütze galt als unauffälliger Junge von nebenan und kam aus einem soliden Elternhaus. Wie konnte es so weit kommen, was waren die Auslöser? Langeweile, Orientierungslosigkeit und Sinnlosigkeit prägen den Alltag von immer mehr jungen Menschen, obwohl es ihnen vermeintlich an nichts fehlt. Was ist bloß los mit unserer Jugend? Nicht nur die Gewaltbereitschaft hat sich massiv erhöht, so manche Teenies haben als neue "Trendsportart" das Komasaufen entdeckt, verbringen ihre komplette Zeit nur noch mit Computerspielen oder versinken in der anonymen Welt des Internets. Doch dies spiegelt nur einen Teil der jungen Generation wider. Eine Studie belegt, dass sich jeder dritte Jugendliche ehrenamtlich für soziale Projekte einsetzt oder politisch aktiv ist. Wie steht es um die Jugend - verroht die Jugend total oder ist sie doch besser als ihr Ruf? Bedroht uns langfristig eine Generation infantiler, gewaltbereiter Sozialschmarotzer? Wieland Backes fragt: "Die heutige Jugend - faul, cool, gewalttätig? u.a. mit Landesjustizminister Ulrich Goll. Härtere Strafen für jugendliche Gewalttäter? Baden Württembergs Justizminister Ulrich Goll plädiert für eine schnelle und konsequente Bestrafung, bevor Jugendliche endgültig auf die schiefe Bahn geraten. So fordert Goll seit Jahren die Einführung eines Warnschussarrests und eine Anhebung der Höchststrafe im Jugendstrafrecht von zehn auf 15 Jahre. Auch setzt er sich für die Anwendung des allgemeinen Strafrechts bei Kriminellen ab 18 ein, statt der wie bisher in den überwiegenden Fällen angewandten Verurteilung nach Jugendstrafrecht. Maximilian rauchte mit neun die erste Zigarette, mit elf den ersten Joint. Bald folgten weitere Straftaten, darunter Schüsse auf fahrende Autos. Nach der Verwüstung einer Kapelle galt der heute 17-Jährige als therapieresistent und wurde von seinen Betreuern abgeschrieben. Seine Mutter aber kämpfte um eine letzte Chance in einem Trainingscamp für junge Intensivtäter. Erstmals im Leben hat Maximilian konkrete Ziele: "Ich werde den Hauptschulabschluss nachholen und Kfz-Mechaniker lernen." Wie fühlt eine Mutter, deren Sohn kurz vor dem Absturz in die Gosse steht? Maximilians Mutter ist in erster Linie wütend. "Mancher Sozialarbeiter hat meinem Sohn Maximilian mehr geschadet als geholfen", sagt die gestandene Geschäftsfrau, die über eigene Versäumnisse in der Erziehung des hochbegabten Sohnes rätselt. Vor allem aber will sie andere Eltern in ähnlicher Situation nur warnen: "Wer sich alleine auf die Hilfe von professionellen Jugendeinrichtungen verlässt, der ist schnell verlassen." "Zum Amokläufer wird keiner geboren", sagt Jugendpsychiater Prof. Gunther Moll. Ein Grund für zunehmende Gewalt, Vereinsamung und Beziehungslosigkeit sei das Abtauchen vieler Jugendlicher in virtuelle Welten, beklagt der Leiter der Jugendpsychiatrie an der Uni Erlangen. Dabei erlebe das Gehirn keine wirklichen Konsequenzen, jegliche Bezüge blieben abstrakt. "Wenn echte Bindungen nicht mehr gelernt werden, sondern nur noch virtuell erfahren werden, bildet das Gehirn diese Fähigkeit auch nicht aus", so der Neurobiologe. Komasäufer? Sex mit 13? Die zunehmende Jugendverrohung ist für Georg Ehrmann, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, ein klares Zeichen für das "Erziehungsversagen der Eltern" quer durch alle Schichten. Ehrmann warnt unterdessen vor überhöhten Erwartungen an allseits gefeierte Jugendeinrichtungen wie die Berliner "Arche": "Genau solche Projekte täuschen oftmals Hilfe vor, die sie doch nicht leisten können". Mila Cengiz war nie wirklich Kind: Früh wurde sie mit Hausarbeiten überhäuft und bei Fehlern geprügelt. Mit 12 Jahren schwänzte sie erstmals die Schule und erlebte dann eine Odyssee durch Heime, aus denen Mila immer wieder ausbrach. Geld verdiente sie als minderjährige Drogenkurierin. Mit 16 Jahren bekam Mila ihren ersten Sohn, ihre beiden Kinder sollen anders aufwachsen. "Bildung ist das Allerwichtigste - und sie sollen so lange Kind sein dürfen, wie es geht!", sagt die 22-Jährige Rapperin. Felix Kiesele hat klare berufliche Ziele im Leben und setzt sich als Landesschüler-sprecher vehement für die Belange der 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg ein. Geschockt vom Amoklauf in Winnenden fordert der 19-Jährige Korrekturen auch in der Bildungspolitik: "Die Klassen sind viel zu groß, die Lehrer können auf die Probleme der einzelnen Schüler überhaupt nicht eingehen!"

  1. 13.03.2009 22.00, SWR, Nachtcafé
  2. 14.03.2009 12.20, SWR, Nachtcafé
  3. 17.03.2009 21.45, Eins Plus, Nachtcafé
  4. 19.03.2009 13.45, Eins Plus, Nachtcafé
  5. 20.03.2009 10.45, Eins Plus, Nachtcafé
  6. 21.03.2009 06.45, Eins Plus, Nachtcafé
  7. 22.03.2009 03.45, Eins Plus, Nachtcafé
  8. 23.03.2009 00.45, Eins Plus, Nachtcafé
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