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Wer loslässt, hat zwei Hände frei - Aussteiger erzählen aus ihrem Leben

Raus aus dem Alltag, weg von Stress, Überfluss und Erfolgsdruck. Reduziert leben und dabei die wahre Zufriedenheit finden, das ist der Wunsch von vielen, auch wenn es Mut verlangt, neue unbekannte Wege zu gehen. Doch wer loslässt, hat zwei Hände frei und jede Möglichkeit, neue Chancen zu ergreifen. Welche Wege sich den Gästen in "Stöckl am Samstag" boten, was sie zurückließen und welche Erkenntnisse sie gewannen, berichten sie Barbara Stöckl am 12. Dezember um 16.00 Uhr in ORF 2. Master Han Shan wurde vom Millionär zum Bettelmönch: Mit 23 Jahren beschloss der Deutsche Hermann Ricker, gemeinsam mit seiner Frau nach Asien auszuwandern, um dort wenige Jahre später seine eigene Firma zu gründen. Während die Ehe zerbrach, wuchs das Unternehmen zu einem florierenden, weltweit operierenden und vor allem gewinnbringenden Imperium. Hermann Ricker leistete sich jeglichen Luxus, vom Penthaus in Singapur bis zum roten Jaguar. 1995 kam jedoch die Wende. Der gebürtige Hesse überlebte einen schweren Autounfall in Malaysia fast unversehrt. Die unmittelbare Begegnung mit der eigenen Sterblichkeit führte zur völligen Änderung seiner Lebensansichten und Werte. Er überschrieb das Unternehmen seinen engsten Mitarbeitern, trennte sich von sämtlichen Besitztümern. Master Han Shan zog nach Thailand, wo er als buddhistischer Mönch lebte. Nach zehn Jahren legte er die Mönchskutte ab. Seither sind vier Jahre vergangen. Heute widmet er sich seinem neuen Lebenstraum und arbeitet am Aufbau eines Rückzugs-Centers zur inneren Einkehr und gibt dort sein Wissen anderen interessierten Menschen aus aller Welt weiter. Elfriede Gerdenits nahm sich ein halbes Jahr Auszeit von Beruf, Ehe und Kindern: Ein Jahr hat sich Elfriede Gerdenits auf ihre sechsmonatige Auszeit vorbereitet. Sie fühle sich erschöpft und wollte den alltäglichen Arbeitsroutinen entfliehen. Elfriede Gerdenits verließ ihr luxuriöses Haus, mietete eine kleine, spartanisch eingerichtete 35-Quadratmeter-Wohnung in Wien, hatte weder einen Fernseher noch ein anständiges Bett. Sie schlief auf einem Luftmatratzenbett: "Ich bin draufgekommen, dass der ganze Lebensluxus negativen Einfluss auf meine Lebensqualität hatte!" Die sechs Monate nutzte die Karrieretrainerin, um einen autobiografischen Roman zu schreiben und andere Bücher fertigzustellen. Heute geht sie achtsamer mit sich selbst um und die Beziehung zu ihrem Mann hat an Reiz gewonnen. Gregor Sieböck wanderte drei Jahre für Umweltschutz durch die Welt: "Ich wurde während meiner Wanderung oft gefragt: "Was machst du? Du gehst? Warum? Kannst du dir nicht eine anständige Arbeit suchen? Aber was ist schon eine anständige Arbeit? Mache ich etwa nur etwas Anständiges, wenn ich damit viel Geld verdienen kann, oder gibt es noch mehr im Leben als wirtschaftlich erfolgreich zu sein? Versperrt uns vielleicht gerade diese Geschäftigkeit den Weg zu einem erfüllten Leben? Es waren genau diese Fragen, die mich beschäftigten, bevor ich 2003 zu meiner großen Wanderung aufbrach." Der dreijährige Fußmarsch führte den Oberösterreicher quer über den Globus, dabei pflegte er ein einfaches Leben im respektvollen Umgang mit der Natur und anderen Lebewesen. Genau diesen ökologisch respektvollen Lebensstil will er verbreiten. In den Jahren des Wanderns hat er sich mit Ängsten und Gefahren neu auseinandergesetzt und den Bezug zur Zeit verändert. "Ich war ein Getriebener meiner selbst, solange ich in meinen Gedanken in der Zukunft lebte." Das Leben in seiner Heimat machte ihn nicht mehr glücklich. Seit Sommer 2008 ist er wieder unterwegs, um zu sich selbst zurückzukommen.

  1. 12.12.2009 16.00, ORF2, Stöckl am Samstag
  2. 13.12.2009 05.15, ORF2, Stöckl am Samstag
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