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Der irre Kult ums Essen

Es brutzelt auf allen Kanälen! Gerne lässt sich der Zuschauer im Fernsehsessel von redseligen Küchengurus berieseln, die in ihren Shows die Lust am frisch zubereiteten Essen zelebrieren. Doch wird er schlagartig wieder aus seiner heilen Kochwelt gerissen, wenn der Pizzabote mit der Thermobox an der Tür klingelt. Ob Döner vom Spieß oder Dorade auf Rucola-Kartöffelchen - die Esskultur-Schere in Deutschland geht immer weiter auseinander. Das traurige 3-Gänge-Menü vieler Kinder besteht heutzutage aus Tütensuppe gefolgt vom aufgewärmten Fertiggericht-Plastikbeutel aus der Mikrowelle, oben drauf gibt's den Schokopudding aus dem Kühlregal. Doch Essen kann auch zur Lebensphilosophie werden: Sei es die Mutter, die sich nur von Rohkost ernährt oder der Feinschmecker, der für ein Gourmet-Essen gerne Hunderte von Euro liegen lässt. Allerdings kann hinter der Art der Ernährung auch eine Protesthaltung stecken wie bei den "Mülltauchern", die nur von dem leben, was sie nachts aus Abfallcontainern großer Supermärkte holen. Was ist nur aus unserer Esskultur geworden? Hat Essen einen völlig überzogenen Stellenwert? Essen wir uns gar krank? "Der irre Kult ums Essen" am 18.12.2009 um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen. Starköchin Lea Linster ist die weibliche Ausnahmeerscheinung in einer Männerdomäne. Mit viel Liebe, Leidenschaft und Charme kochte sie sich nicht nur in die Herzen vieler Fernsehzuschauer, sondern holte sich als weltweit einzige Frau die Goldmedaille der Spitzenköche, den "bocuse d'or". Auch ihr eigenes Restaurant in Luxemburg wird seit 20 Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. "Kochen muss Freude machen, das ist das Erfolgsgeheimnis. Leider haben in Deutschland viele das Kochen verlernt." Jan Kummerfeld braucht kein feines Fünf-Gänge-Luxusmenü: Er lebt von dem, was andere wegschmeißen. Seit sechs Jahren klettert der Umweltaktivist nach Ladenschluss über die Zäune der Supermarkthinterhöfe und holt sich Lebensmittel aus den Müllcontainern "Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, das muss sich ändern. Diese verantwortungslose Verschwendung ist reine Profitgier der Supermärkte, weil sie Angst haben, dass ihr Gewinn sinkt." "Was wäre denn nachts hinter dem Supermarkt los, wenn sich dort jeder bedienen würde?" fragt Andrea Moritz. Sie kommt vom Bund für Lebensmittelrecht und vertritt die Interessen der Nahrungsmittelindustrie. Die Ernährungswissenschaftlerin ist sich sicher, dass deutsche Lebensmittel von bester Qualität sind und uns weder künstliche Zusatzstoffe noch Aromen krank machen. Das sieht Ernährungskritiker Hans-Ulrich Grimm anders. Laut dem Journalisten müsste uns beim Gang durch den Supermarkt eigentlich der Appetit vergehen. Ob Sägespäne im Erdbeerjoghurt oder Kunstkäse völlig frei von Milchanteil - Nach seinen Recherchen wird der Kunde oft ganz bewusst über Inhaltstoffe von Produkten getäuscht. Der Autor warnt, dass im Supermarktregal oft reine Chemiebomben liegen - mit verheerenden Folgen für Gehirn und Gesundheit. Ralf Brosius ist überzeugt, dass ihm seine Ernährungsumstellung das Leben gerettet hat. Nachdem er vor drei Jahren die Diagnose Lungenkrebs bekam, Peter Wagner ist Hobbykoch auf höchstem Niveau: Für den Feinschmecker ist Essen das Wichtigste im Leben und das lässt er sich auch was kosten: Allein sein Saucen-Töpfchen kostet 300 Euro, auf seinem wohlsortierten Gewürzregal stehen allein 48 Salzsorten. Fastfood ist für ihn Folter: "Die Art, wie sich jemand ernährt, ist mehr denn je ein Zeichen der sozialen Herkunft, der Bildungsschicht und des Grades an kulturellem Interesse". Die allzu hohen Ansprüche der Feinschmecker hierzulande sind für Cornelia Füllkrug-Weitzel ein Affront gegen die Armen dieser Welt. "Die Bauern in Afrika und Asien decken mit ihrer Arbeit unseren Tisch, sie selbst aber leiden schlimmen Hunger", sagt die Direktorin der Hilfsorganisation "Brot für die Welt". Sie fordert mit Blick auf weitere Hungersnöte durch Wassermangel und fortschreitende Bodenerosionen ein sofortiges Umdenken in der Entwicklungshilfepolitik. Und ebenso etwas Bescheidenheit in der Küche. Hexenküche oder Haute Cuisine? Juan Amador ist Molekularkoch. Er beherrscht die Spitzengastronomie, hat aber auch keinerlei Berührungsängste mit den Labors der Lebensmittelindustrie: Der gebürtige Schwabe kredenzt in Reagenzgläsern, bei dem Avantgardist kommen flüssiger Stickstoff oder auch Kalziumchlorid zum Einsatz . "Wir wollen den Gast für drei, vier Stunden aus dem Alltag holen", sagt der Sternekoch und lässt dann bei minus 196 Grad so außergewöhnliche Speisen wie Karamell von schwarzen Oliven entstehen.Peter Wagner ist Hobbykoch auf höchstem Niveau: Für den Feinschmecker ist Essen das Wichtigste im Leben und das lässt er sich auch was kosten: Allein sein Saucen-Töpfchen kostet 300 Euro, auf seinem wohlsortierten Gewürzregal stehen allein 48 Salzsorten. Fastfood ist für ihn Folter: "Die Art, wie sich jemand ernährt, ist mehr denn je ein Zeichen der sozialen Herkunft, der Bildungsschicht und des Grades an kulturellem Interesse". Die allzu hohen Ansprüche der Feinschmecker hierzulande sind für Cornelia Füllkrug-Weitzel ein Affront gegen die Armen dieser Welt. "Die Bauern in Afrika und Asien decken mit ihrer Arbeit unseren Tisch, sie selbst aber leiden schlimmen Hunger", sagt die Direktorin der Hilfsorganisation "Brot für die Welt". Sie fordert mit Blick auf weitere Hungersnöte durch Wassermangel und fortschreitende Bodenerosionen ein sofortiges Umdenken in der Entwicklungshilfepolitik. Und ebenso etwas Bescheidenheit in der Küche. Hexenküche oder Haute Cuisine? Juan Amador ist Molekularkoch. Er beherrscht die Spitzengastronomie, hat aber auch keinerlei Berührungsängste mit den Labors der Lebensmittelindustrie: Der gebürtige Schwabe kredenzt in Reagenzgläsern, bei dem Avantgardist kommen flüssiger Stickstoff oder auch Kalziumchlorid zum Einsatz . "Wir wollen den Gast für drei, vier Stunden aus dem Alltag holen", sagt der Sternekoch und lässt dann bei minus 196 Grad so außergewöhnliche Speisen wie Karamell von schwarzen Oliven entstehen.

  1. 18.12.2009 22.00, SWR, Nachtcafé
  2. 19.12.2009 12.20, SWR, Nachtcafé
  3. 24.12.2009 13.45, Eins Plus, Nachtcafé
  4. 25.12.2009 10.45, Eins Plus, Nachtcafé
  5. 26.12.2009 06.45, Eins Plus, Nachtcafé
  6. 27.12.2009 03.45, Eins Plus, Nachtcafé
  7. 28.12.2009 00.45, Eins Plus, Nachtcafé
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