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Abschied vom Schlankheitswahn - Der neue Mut zur Natürlichkeit

Spindeldürr - das war die letzten Jahre absolutistischer Maßstab aller modischen Dinge, als Magermodels noch die Laufsteg-Königinnen waren und uns vorhungerten, wie wir eigentlich sein sollten. Doch es gibt eine spürbare Abkehr vom Magerwahn der Modeindustrie: Bestes Beispiel ist die Frauenzeitschrift "Brigitte". Seit kurzem verzichtet das Magazin auf professionelle Mannequins, lichtet stattdessen ausschließlich die attraktive Frau von neben an ab, die durch Natürlichkeit und nicht mehr durch Haut und Knochen besticht. Ist damit das Ende der Hungerhaken eingeläutet? Ein Blick aufs Straßenbild lässt auf eine neue Selbstverständlichkeit schließen: Dralle Leibesfülle wird selbstbewusst, ohne Hemmungen gerne auch bauchfrei, zur Schau getragen. Von Verunsicherung und schlechtem Gewissen keine Spur! Geht die Trendwende hin zu Kurven statt Ecken und Kanten? Woran lässt sich der neue Mut zur Natürlichkeit festmachen? Oder dominiert der Schlankheitswahn nach wie vor unser ästhetisches Empfinden? Wieland Backes fragt nach. Die Bestseller-Autorin Susanne Fröhlich hat den ewigen Kampf mit den Pfunden satt. Nach jahrelangem Gewichts-Jojo und etlichen Diätversuchen hat sie sich entschlossen, nun mit gutem Gewissen zu essen und sich wohl zu fühlen so wie sie ist. In ihrem neuen Buch "Und ewig grüßt das Moppel-ich" geht sie der Frage auf den Grund, warum Schlanksein so wichtig geworden ist und macht anderen Frauen Mut: "Ein Leben jenseits der Konfektionsgröße 40 ist möglich!" Lars Sörensen hat den Kampf gegen die Pfunde gewonnen. Der Comedian brachte 162 Kilo auf die Waage. Er schwang sich auf ein Spezialfahrrad, stellte seine Ernährung komplett um und nahm so innerhalb von 10 Monaten 70 Kilo ab. Jetzt zählt er penibel jede Kalorie, die er zu sich nimmt. "Wieder dick zu werden, wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte. Man hat es im Leben viel leichter, wenn man schlank ist." Der österreichische Regisseur und Schauspieler Peter Kern geht sein Übergewicht ganz offensiv an und steht dazu: 180 Kilo zeigt seine Waage. "Meine Körperfülle ist ein Schrei nach Liebe", sagt der Filmemacher. Der Diabetiker ist überzeugt, dass Diäten gesundheitsgefährdend sind. Die Gesellschaft ist seiner Meinung nach dem Wahn der Oberfläche verfallen und nur auf Äußerlichkeiten getrimmt: "Das Geschwür heißt schlank, schön und lieb sein - und die Klappe halten." Seit vielen Jahren beschäftigt sich Gesundheitswissenschaftler Dr. Thomas Kurscheid mit Fettsucht. Für den Mediziner wäre ein Abschied vom Schlankheitswahn fatal, denn er sieht in seiner Praxis täglich die dramatischen gesundheitlichen Folgen des Übergewichts. "Extremes Übergewicht ist nicht nur unästhetisch, es macht auch krank, die körperlichen Auswirkungen sind fatal", so der Sportmediziner. Übergewichtig zu sein, kommt für Susan Malekpur Shirazi nicht in Frage. Die fünffache Fitness- Weltmeisterin und dreifache Miss Fitness Universe arbeitet mit eiserner Disziplin und Akribie an ihrem Körper. Sie ist davon überzeugt, dass jeder auf intelligente und entspannte Weise zur Wunschfigur kommen kann. "Die meisten Dicken sind einfach nicht diszipliniert genug. Aber wer dick ist, der kann doch nicht glücklich sein. Der Körper ist das Haus der Seele", sagt die 37-Jährige. Carina Stengel wünschte sich seit ihrer Kindheit schlank zu sein, doch ständige Fast-Food-Fressattacken übermannten sie wie eine Sucht. Immer mehr zog sich die junge Frau einsam vor den Fernseher zurück und kompensierte mit Essen die fehlende Liebe aus dem Elternhaus. Mit 15 Jahren wog sie schließlich 133 Kilo. Heute ist sie zwei Jahre älter und 45 Kilo leichter, doch weitere sollen noch folgen: "Als Teenager ist es verdammt schwer, gegen den Schlankheitswahn anzukämpfen." "Attraktivität hat viele Gesichter"! "Brigitte"-Chefredakteur Andreas Lebert wollte dem kursierenden Schlankheitswahn etwas entgegensetzen und ging einen neuen Weg in der Mode-Branche: Mit seiner Idee zur Aktion "Brigitte ohne Models" setzte er dem Trend zu Magermodels etwas entgegen. Seit Anfang des Jahres sind nun in der Frauenzeitschrift keine professionellen Fotomodelle, sondern "Frauen von nebenan" zu sehen. Die 1,65 m große St. Pauli-Wirtin Franca Cuneo war in der ersten Ausgabe als Amateurmodel zu sehen. Sie ließ sich gemeinsam mit der gepiercten und tätowierten Jasmin Orthbandt, auf Capri für das Frauenmagazin ablichten.

  1. 12.03.2010 22.00, SWR, Nachtcafé
  2. 13.03.2010 12.20, SWR, Nachtcafé
  3. 16.03.2010 21.45, Eins Plus, Nachtcafé
  4. 18.03.2010 13.45, Eins Plus, Nachtcafé
  5. 19.03.2010 10.45, Eins Plus, Nachtcafé
  6. 20.03.2010 06.45, Eins Plus, Nachtcafé
  7. 21.03.2010 03.45, Eins Plus, Nachtcafé
  8. 22.03.2010 00.45, Eins Plus, Nachtcafé
  9. 06.08.2010 22.00, SWR, Nachtcafé
  10. 07.08.2010 12.20, SWR, Nachtcafé
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