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Neuer Glaube, neue Hoffnung - Warum Menschen ihre Religion wechseln

Neuer Glaube, neue Hoffnung - Warum Menschen ihre Religion wechseln Warum konvertiert eine waschechte Wienerin zum Islam, warum eine Muslimin zum Christentum, weshalb wird aus einem Christ ein Buddhist? Diesen Fragen geht Barbara Stöckl in "Stöckl am Samstag" am 13. März um 16.00 Uhr in ORF 2 nach. Ihre Gäste haben alle ihre ursprüngliche Religionszugehörigkeit aufgegeben und in einem neuen Glauben ihren Weg gefunden. Was ihre Beweggründe dafür waren, wie Familie und Freunde damit umgegangen sind und welchen Stellenwert Religion heute in ihrem Leben hat, erzählen sie bei Barbara Stöckl. Sabatina James fühlt sich seit ihrem Übertritt vom Islam zum Christentum von ihrer Familie bedroht: "Ich habe gewusst, wenn ich konvertiere, dann sehe ich meine Familie nie wieder!" Dennoch konvertierte Sabatina James zum Christentum, weil sie für die Gewalt und Unterdrückung, die sie selbst erleben musste, den Islam verantwortlich macht. Im Buch "Sterben sollst du für dein Glück" beschreibt Sabatina James ihr Leben in zwei Welten: Mit zehn Jahren von ihrer Heimat Pakistan nach Österreich übersiedelt, passt sich die junge Muslimin schnell dem westlichen Lebensstil an, sehr zum Missfallen ihrer strenggläubigen Eltern. Mit 16 wird sie in eine Koranschule zurück nach Pakistan geschickt. Dort lehrt man sie den Hass auf den Westen und sie erfährt am eigenen Leib die Wertlosigkeit einer Frau. Als sie gegen ihren Willen mit einem Cousin verheiratet werden soll, flieht sie nach Europa. Sie verliert den Glauben an Allah - zu oft fühlte sie sich von ihm im Stich gelassen. Stattdessen liest sie die Bibel und erfährt, was es bedeutet, auf einen Gott vertrauen zu dürfen, egal ob man ein guter oder ein schlechter Mensch ist. Als die heute 28-Jährige zum Christentum konvertiert, sieht sie sich den Todesdrohungen ihrer Familie ausgesetzt und lebt seither versteckt. Mit Barbara Stöckl spricht sie über Sehnsucht und Angst sowie über den liebenden Gott, an den sie heute glaubt. Aischah Ullmann - wie aus einer Wiener Christin eine Muslimin aus Überzeugung wurde: "Die Kälte in der Kirche, das Beichten, alles war dunkel und angstbehaftet für mich", blickt die Tochter eines Atheisten und einer Katholikin zurück auf ihre Kindheit. Durch die Bekanntschaft mit einer türkischen Familie in Wien wird die Büroangestellte auf den Islam aufmerksam und findet darin endlich das, was sie immer gesucht hat: einen Plan zur Lebensführung. Nach zweijähriger Bedenkzeit konvertiert sie zum Islam und aus Renate Ullmann wurde "Aischah". Ihre Überzeugung ist so stark, dass auch ihr Exmann Muslim wurde und die drei gemeinsamen Töchter im islamischen Glauben erzogen werden. "Ich kann Ihnen nur das vermitteln, was aus meinem tiefsten Herzen kommt und das ist der Glaube an den Islam", meint die dreifache Mutter. Wie ihre eigenen Eltern damit umgehen, dass aus der Tochter eine Muslimin geworden ist und warum ihr der neue Glaube Selbstsicherheit gibt, verrät sie in "Stöckl am Samstag". Lutz Elija Popper - warum sein Übertritt zum Judentum nicht nur religiöse Gründe hat: "Ich will nicht mehr herumreden und mich verstecken, ich will sagen können: Ich bin Jude", meint der pensionierte Arzt Lutz Popper. Zwölf Tage war er alt, als Hitler in Österreich einmarschierte und sein jüdischer Vater die Heimat verlassen musste, um einen sicheren Ort für sich und seine Familie zu suchen. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis der Vater seine Familie wieder in die Arme schließen konnte und man sich gemeinsam auf den Weg nach Bolivien in eine ungewisse Zukunft machte. In mehr als 400 Briefen, die sich seine Eltern in der Zeit der Trennung schrieben, erfuhr Lutz Popper was es hieß, als Jude vertrieben und den Schikanen und Demütigungen des Naziregimes ausgesetzt gewesen zu sein. Nach acht Jahren in Bolivien kehrte die Familie nach Wien zurück. Im Gegensatz zu vielen seiner Verwandten, die in Konzentrationslagern ums Leben kamen, hatten sie Glück. So wie Lutz Poppers Vater seine Identität als Jude verleugnen musste und zum Christentum konvertierte, um seine Familie zu schützen, so will er zu seinen jüdischen Wurzeln stehen. Im Jahr 2003 konvertierte er schließlich zum Judentum. Im Gespräch mit Barbara Stöckl erklärt Lutz Popper, warum er die Briefe seiner Eltern in einem Buch veröffentlicht hat und was es für ihn heißt, Jude zu sein. Gerhard Weißgrab - Buddhist mit katholischen Wurzeln: "Glaube nichts und nimm nichts an, nur weil es irgendwo steht, sondern überprüfe selbst" - ein Kernpunkt im Buddhismus, der zum Lebensmaxim von Gerhard Weißgrab wurde. Aufgewachsen im Weinviertel, machte er vom Ministrant bis zum Vorbeter alle kirchlichen Tätigkeiten eines Landkindes mit. Mit 17 Jahren lernt er seine jetzige Frau kennen, mit der er viele Jahre in wilder Ehe lebt, was in seiner tiefkatholischen Heimatgemeinde nicht gern gesehen wird. Er macht die Dogmen der katholischen Kirche dafür verantwortlich und wendet sich von dieser ab. Auf Sri Lanka kommt der Bankkaufmann erstmals mit dem Buddhismus in Berührung. Nach jahrelanger spiritueller Auseinandersetzung tritt er schließlich aus der katholischen Kirche aus und in die buddhistische Religionsgemeinschaft ein. Seit drei Jahren ist er Präsident der "Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft" und als solcher um interreligiösen Dialog bemüht. Wie er im Alltag die fünf Ethikregeln des Buddhismus umsetzt und ob sich seine katholischen Wurzeln manchmal noch melden, erzählt er bei Barbara Stöckl.

  1. 13.03.2010 16.00, ORF2, Stöckl am Samstag
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