Das Gnobbelmatsch von L. A.

(Michael Connelly)

Detective Lena Hart stand am Rand des verlassenen Lagerhauses und starrte auf den Boden. Der Leichnam lag im Dreck, eine Spur aus Blut führte tiefer ins Gebäude. Alles deutete auf einen brutalen Mord hin. Doch der Fall war seltsam. Es war nicht nur der Tote, der ihre Aufmerksamkeit erregte, sondern das Objekt, das in der Nähe lag – das Gnobbelmatsch.

„Das ist nicht gut, Lena“, sagte ihr Partner Mark Rios, als er ebenfalls auf das mysteriöse, kugelige Ding blickte. Es schimmerte im schwachen Licht, als hätte es die Dunkelheit selbst angezogen.

„Es ist das Gnobbelmatsch“, murmelte sie. „Hätte ich es wissen müssen.“

Das Gnobbelmatsch war ein Begriff, den nur wenige in der Stadt verstanden. Er war kein normaler Gegenstand, sondern eine Art… Phänomen. Manche nannten es einen Talisman, andere einen Fluch. Es war ein altes Artefakt, dessen Ursprung niemand kannte, das aber in den gefährlichsten Kreisen von Los Angeles regelmäßig auftauchte. Diejenigen, die es besaßen, erlebten in der Regel nur Unglück – oder noch schlimmer: Sie verschwanden.

Mark zog die Augenbrauen hoch. „Was genau ist das Ding?“

„Es ist… kompliziert“, sagte Lena, ohne ihren Blick vom Gnobbelmatsch abzuwenden. „Man sagt, es sei ein Relikt aus alten Zeiten, dass es denjenigen, der es besitzt, in den Wahnsinn treibt oder sie ins Verderben stürzt. Niemand weiß wirklich, was es kann, aber es zieht immer Menschen in seinen Bann.“

„Du meinst also, das Ding ist der Grund, warum hier jemand tot ist?“

„Ich vermute es. Der Tote dort drüben, dieser Typ… er war ein Kleinkrimineller. Es ist wahrscheinlich, dass er sich in den Kreis derer eingeschlichen hat, die das Teil jagen. Und jetzt ist er tot.“

Lena kniete sich vorsichtig neben das Gnobbelmatsch und griff nach einem Handschuh. Sie konnte das ständige Gefühl nicht abschütteln, dass der Gegenstand sie beobachtete – als ob er lebte, als ob er wusste, was sie dachte.

Plötzlich hörte sie Schritte hinter sich. „Du solltest das nicht anfassen“, sagte eine raue Stimme. Ein Mann, hochgewachsen und mit dunklem Blick, trat aus den Schatten. „Das ist nicht dein Spiel, Detective.“

„Wer sind Sie?“, fragte Lena und richtete ihre Waffe auf ihn. „Und was hat dieses Gnobbelmatsch mit dem Mord zu tun?“

Der Mann zuckte mit den Schultern. „Das Gnobbelmatsch ist kein gewöhnlicher Gegenstand. Wer es in die Hände bekommt, der ist nicht länger Herr seiner eigenen Entscheidungen. Er wird von ihm… geführt.“

„Wovon reden Sie?“

„Er verändert den Verlauf der Ereignisse. Er lässt Dinge geschehen, die man nicht will. Er zieht Menschen in die Dunkelheit und entzieht ihnen alles, was sie jemals gekannt haben. Und wer zu viel über ihn weiß, der verschwindet. Oder noch schlimmer, er wird zu einem Teil von ihm.“

Lena blinzelte. Was der Mann sagte, klang wahnsinnig, aber das Blutvergießen und das Grauen, das das Gnobbelmatsch hinterließ, passte genau zu den Geschichten, die in den Schatten von Los Angeles erzählt wurden.

„Was wollen Sie?“, fragte sie.

„Ich will nur, dass du das Ding in Ruhe lässt“, sagte der Mann. „Es ist nicht für dich bestimmt.“

Bevor Lena reagieren konnte, hörte sie ein leises Zischen, und das Gnobbelmatsch begann, sich zu bewegen. Langsam, fast unmerklich, rollte er in ihre Richtung – als ob er sie selbst anlockte.

„Was… was geht hier vor sich?“, fragte Mark, als er sich näherte und den Kopf schüttelte. „Das ist nicht normal, Lena.“

„Es ist das Gnobbelmatsch“, sagte sie leise. „Es ist immer das Gnobbelmatsch.“

Und dann, im selben Moment, als das Gnobbelmatsch direkt vor ihnen stand, explodierte die Luft um sie herum in einem grellen Licht. Die Welt schien sich zu drehen, der Boden unter ihren Füßen verschwand. Lena taumelte zurück und verlor das Bewusstsein.

Als sie wieder zu sich kam, war alles still. Das Gnobbelmatsch lag reglos auf dem Boden, und der mysteriöse Mann war verschwunden. Doch der Tote… er war nicht mehr da.

Das Gnobbelmatsch war alles, was blieb.