Erwachen zum Offensichtlichen

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Als ich 19 Jahre alt war, wurde ich mit einer wundervollen mystischen Vision gesegnet: ich erlebe das Licht des Gottes.

Das heißt, ich erlebte, was die Buddhisten das Ursprüngliches helles Licht nennen und Yogis als tausendblättriger Lotus aus Licht beschreiben. Hopis nennen es den großen weißen Geist, und Moslems nennen es Noor, was Glanz bedeutet. Es ist auch die ewige Flamme, die am Altar der Juden scheint; das gleiche Strahlen, von dem Jesus sagte; wenn Dein eins ist, wird dein ganzer Körper von Licht erfüllt.

Das Wort Licht wird hier nicht als Redewendung benutzt (einen helleren, sonnigeren, höheren Aspekt von uns selbst und des Kosmos symbolisierend). Alle diese Namen und Bilder beziehen sich auf tatsächliches Licht: selbstleuchtende, alles durchdringende Energie.

Es ist das lebende kraftstrotzende Bewußtsein - lodernd in Glückseeligkeit. Die Gemeinschaft mit diesem heiligen Licht und das in ihm Aufgehen sind unsagbar angenehm. Jedoch hinterließ in meinem Fall das Ertrinkens im Ozean der Helligkeit eine große Störung in seiner Heckwelle, die Jahrzehnte zur Auflösung brauchte.

Lassen Sie mich meine Geschichte erzählen.

1972 war ich ein College-Student im 2. Jahr an der Boston Universität, ein Teenager im Amerika des zwanzigsten Jahrhunderts, der Led Zeppelin so laut aufgedreht hörte, dass meine Zähne vibrierten. Das war nicht gerade Körper und Geist auf ein direktes Treffen mit dem Göttlichen vorbereiten. Mein einziges religiöses Training (jüdisch) hatte darin bestanden, als Junge den Sabbath-Gottesdienst und die Sonntagsschule zu besuchen, der sich vorkam, als ob er mehrere Stunden vor einem ausgesteckten Radio sitze.

Ich bezweifelte aggressiv einen Gott in Menschengestalt. Für mich waren Naturwissenschaft und Zukunftsromane weit mehr inspirierend, sinnvoll und schöner als herkömmliche religiöse Glaubensinhalte. Im Alter von 11 hörte ich auf, die Synagoge zu besuchen.

Allerdings gab es einen mystischen Streif in mir, den ich seit der Kindheit bemerkt hatte. Er zeigte sich als ein deutliches Gespür für das Geheimnis der natürlichen Welt und des menschlichen Lebens. Dieses Gefühl des Wunders oder der Ehrfurcht stieg manchmal als körperliche Erregung in mir an, bis ich lachen oder weinen mußte.

Als Hochschulneuling besuchte ich einen Kurs über Weltreligionen, weil ich etwas elementares in den religiösen Bedürfnissen der Menschen wußte, etwas vor dem Streit über die verschiedenen Begriffen von Gott, etwas ursprüngliches, unterhalb des abstrakten auf Worten basierenden Verstandes, der alle die historischen Schismen des gemeinverständlichen Glaubens verursacht hat.

Ich wollte diese grundlegendste Wahrheit an der Wurzel allen Glaubens finden. Es war, als ob ich mich sehnte, wie ein blutiger Anfänger im Umfassen der lebenden Natur zu sein. Ich wollte persönlich sie-Gott oder es-Gott kennenlernen, weil ich irgendwie verstand, dass es die Tiefe und der Grund meines eigenen Herzens sei. Also suchte ich Kontakt mit meinem tiefsten Herzen, von dem ich scheinbar im Exil war.

Im nächsten Jahr, als Student im zweiten Studienjahr, besuchte ich einen ausgezeichneten Kurs in östlicher Philosophie. Wir lasen:

Ich fing an, einige großartige Einblicke in meine eigene Beschaffenheit zu haben, obwohl ich nur einen Bruchteil von dem verstand, was ich las.

Dann luden einige Mitschüler mich in ihre Wohnung ein zu einer Diskussion beim Abendessen über die tiefsinnigen Lehren, den wir studierten.

  • Steve war zwei Jahre ein Theravada-buddhistischer Mönch in Thailand gewesen und meditiert siebzehn Stunden pro Tag;
  • John war ein eifriger Student von Yoga und Vedanta;
  • Sean hatte die französische Armee verlassen, war drei Jahre durch Indien gewandert und hatte heilige Personen getroffen.

Demgegenüber hatte ich weder meditiert, noch Yoga geübt, noch Zeit verbracht in der Begleitung von jemand, der besonders weise und frei war.

Die Reise

Nach Abendessen, der Stimmung des Augenblicks folgend, nahmen wir alle außer Sean zusammen LSD. Es war meine 6. psychedelische Reise.

Abwechselnd lasen wir laut aus der Genesis im alten Testament und aus Sei jetzt hier, einem Handbuch(primer) des hinduistischen Mystizismus. Nach eine Weile las Steve zu uns aus Psychedelische Erfahrungen, einem Reisehandbuch von Timothy Leary und Ralph Metzner, das auf dem tibetanischen Buch der großen Befreiung (auch genannt Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben) basiert.

Früh auf meinem sechsstündigen LSD-High begann ich, die gleiche tiefe Ehrfurcht zu fühlen, die ich als kleiner Junge genossen hatte, nur stärker als jemals vorher. Das Gefühl schien sich auszudehnen und Körper, Geist und Raum als fühlbare Anwesenheit zu füllen: ein Bereich der unbesiegbarer Energie und des Glückes. Ich saß auf einem verschlissenen Teppich auf dem Boden des Wohnzimmers in einer billigen Wohnung in Cambridge, versunken in einem Kraftfeld großer Freude. Ich schaute nach Steve mit betrunkener Liebe und sagte: der heilige Geist ist mit uns.

Aber ich fing an, eine offensichtliche Begrenzung des Geistes wahrzunehmen wie einen Knoten oder eine Klammer innerhalb der ansonsten grenzenlosen Kraft. Es wurde Schritt für Schritt offensichtlich, dass der Knoten das Ich war oder alles, was ich dafür hielt. Ich sah, dass das ganze Melodrama des Ich (als getrennte oder unabhängige und begrenzte Einheit) auf dieser unbewußten Gewohnheit des Zurückhaltens basierte: Verträge abschließen und zurückweichen vor dem ganzen und unendlichen Sein.

Das Ich war nur eine Konstruktion, nicht letztendiglich real (kein reales Wesen oder reale Einheit), sondern bloß eine Darbietung (wie eine fiktive Bühnenrolle) innerhalb des freien und vollständigen Wesens.

Und irrtümlich (wie lächerlich!) ist das Gefühl der Identität an diese bloßen Rolle gebunden worden, diese temporäre Beschaffenheit, dieses psychophysische Ego, (als ob das Leben und das Bewußtsein ein isoliertes Selbst waren, das geboren wird, um sich zu verändern und zu sterben).

Solche fälschliche (getrennte) Identität war die Ursache aller Furcht, der Ablehnung, vollständig zu lieben und zu glänzen, des Widerstand gegen Änderung und Tod und folglich, gegen alles im Leben und Beziehungen.

Innerhalb des Bewußtseins wurde der Traum vom Ich plötzlich freigegeben. In diesem Moment entstand das tiefe Herz des Verstehens: die Gesamtheit des bewußten Seins ist die reale und lebende Person, die gemeinsame Identität von jedem und allem. Wie die Weisen es ausgedrückt haben: es gibt nur Gott.

Voller Tränen fiel auf meinen Rücken mit der überwältigenden Entlastung dieser Realisierung des transzendentalen (unbegrenzten) Lebens. Ich ergab mich völlig meiner gefühlten Intuition des großen Eins. Schnell trat eine erstaunliche Änderung auf. Schichten subtileren Selbst-Haltens fielen weg und ich verschmolz in das Herz des Gottes. Ich beobachtete nicht nur wie von einer Zuschauertribüne, wie diese Selbst-transcendence auftrat. Das Ego-Ich löste sich im all-auslöschenden Licht von Existenz-Bewußtsein-Glückseeligkeit auf.

Die Erfahrung

Soweit die Erfahrung beschrieben werden kann, war sie etwas so: in den ersten Sekunden der Kapitulation des Selbst füllte eine prachtvolles goldenes Licht Geist und Körper und den ganzen Raum. Geist (oder Aufmerksamkeit) wurden durch das Licht gefangen und nach Innen und aufwärts gezogen zu irgendeinem unendlich entfernten Ort oberhalb.

Das Gewahrsam für das Äußere verschwand, als Aufmerksamkeit, Körper und Welt lösten sich auf in die Einheit der Lichtquellen, als ob eine Lilienblüte sich wieder faltet und in ihre Knospe zurückkehrt. Genau am Rand des Ego-Todes gab es einen Augenblick von Furcht, aber ich wußte, dass es kein Zurück gab, kein Stoppen dieser Auflösung aller Formen.

So betete ich still: hab Gnade mit mir, und im nächsten Augenblick wurde das Licht so höchst anziehend, dass es die Furcht in seine blendende Singularität einsaugte (auflöste), zusammen mit allem anderen.

Als das letzte Bißchen des Selbst-halten verdunstete, steigerte sich das goldene Licht zu weiß, oder eher es wurde vollständig klar, rein, bedingungslos, ursprünglich. Es gab keinen weiteren Aufstieg; in der Tat war da kein oben oder unten, drinnen oder draußen mehr, sondern alles Existierende war radikal gleich und ganz die absolut helle Fülle.

Ich war bewußt als grenzenloses leuchtendes Wesen, identisch, mit dem Selbst oder der Quelle des Universums. Ich weiß nicht, wie lange ich in diesem Gebiet der Ekstase aufgegangen blieb, aber es war äußerst vertraut, nicht neu oder schockierend. Es war das Zuhause, ewig. Das was ist (oder das eine, das ich bin.

Wieder unten

Selbstverständlich kam ich wieder herunter.

Mit einem Platsch!

Abgestürzt, wie sie sagen. Und wieder zurück vom Ego-zentrierten Gesichtspunkt eines weißen amerikanischen Jugendlichen aus der Mittelklasse aus gesehen, der nur einen Bruchteil von dem begriffen hatte, was er bei den orientalischen Mystikern gelesen hatte, war die Erfahrung des Lichtes nicht nur unverständlich, sie war erschreckend.

Bis zum dem folgenden Nachmittag war ich so durcheinander, ich war blaß und wackelig auf den Beinen. Was war schließlich so attraktiv an der Auflösung des Egos, dem Tod des Ich? Ich hatte einen schmerzlichen Fall psychischer Verdauungsbeschwerden entwickelt.

Zuerst versuchte ich, der Enthüllung des Lichtes zu widerstehen, des göttliche Eindringens in mein unabhängiges, privates Leben. Ich wollte sagen: Geh weg, ich bin nicht dazu bereit. Ich möchte einfach nur ich sein. Ich möchte ich bleiben.

Verloren und verängstigt versuchte ich zwanghaft, das bedrohte Ego zu bewahren, seine Grenzen zu sichern, es stabil zu machen und immun gegen Änderungen.

Es funktionierte nicht.

Es gibt einfach keine Möglichkeit, als isoliertes Selbst weiterzugehen, nachdem Sie in das Herz des endlosen Lebens gestolpert sind, selbst wenn es nur ein zeitloser Augenblick war. (Wie Kabir sagt: ich sah es für eine Sekunde, und es hat mich für mein ganzes Leben zu einem Anhänger gemacht.)

Wenn sonst nichts hilft, lesen Sie die Anleitung.

Ich tats.

Ich fing an, die Lehren der östlichen und westlichen Mystiker ernsthaft zu studieren. (Es ist bemerkenswert, dass alle von ihnen davor warnen, sich in mystische Experimente zu vertiefen ohne korrekte Vorbereitung und einen Führer, der die Gegend kennt.)

Es brauchte Zeit, fast ein Jahrzehnt, aber stufenweise nahmen meine Angst und meine Verwirrung ab und machten einem wachsenden Verstehen platz. Auf dem Weg entdeckte ich Dutzende historischer Quellen, in denen der Verlust des Egos im leuchtenden, transcendentalen Sein beschrieben wird. Das klassisches Yoga stellt eine Sanskrit-Bezeichnung für die Erfahrung zur Verfügung: Nirvikalpa-Samadhi. Viele Lehrer beschleunigten mein Erwachen, nicht zuletzt meine Frau und meine zwei kleinen Söhne.

Das bedeutet nicht, dass ich die Enthüllung des Göttlichen meinem alltäglichen Leben einverleibte, wie man eine glänzende neue Münze sich einsteckt, und auf meine private Weise fortfuhr.

Nein.

Das Göttliche ist mehr als das Selbst und die Welt und kann nicht besessen werden. Folglich tat ich das Entgegengesetzte: ich widmete mein Leben dem Göttlichen; ich wurde ein Anhänger Gottes. Nicht der allmächtige abwesende Vater, der niemals durch das defekte Radio spricht, sondern die gleiche wundervolle, lebende Quelle und der sternenvolle Vorgang, den ein Naturwissenschaftler voll Ehrfurcht lieben kann.

Auch fing ich an zu meditieren. Ich übte des einfache Technik des Konzentrierens auf das Ein- und AUsatmen während des ruhigen Sitzens. (Ein Dutzend Jahre davor hatte ich gelernt, dass dieser Meditationsstil einen Namen hat: Vipassana, und dass Gautama Buddha selbst ihn unterrichtet hatte.)

Nach 15 Jahren mit dieser Übung erfuhr ich eine Rückkehr zum Licht. Während ich in tiefem EInklang mit dem Atem war, konzentrierte sich meine Aufmerksamkeit spontan mitten im Gehirn, zwischen und hinter meinen Augen. So wurden meine Augen eins. Mein ganzer Körper wurde von Licht erfüllt, wie Jesus versprochen hatte. Ich saß in Verzückung und empfing das goldene Licht in all meine Teile. In diesem Moment schrieb ich ein Essay und sagte: Das heilige Licht ist keine Metapher. Strahlend lebendig ist der ewige Geist.

Aber ich hatte noch Angst.

Ich hatte Angst vor dem Wahnsinn, vor das Selbst und alle Begrenzung vollständig zu opfern: kein Wissen mehr, kein Steuern mehr, kein Ich mehr. Ich hatte Angst vor dem Ertrinken in der Unendlichkeit.

Der Wendepunkt

Sechs Jahre später, in Februar 1993, erreichte ich einen Wendepunkt. Ich stand auf meinem Balkon in einer nachdenklichen Stimmung und fühlte in das Leben, und ich erinnerte mich an eine Zeile, die ein Freund mir Jahre gesagt hatte über Gott auf halbem Weg treffen.

Der Begriff schien jetzt absurd, da ich sah, dass Gott hier ist und all den Weg anwesend war. Nichts ist versteckt oder zurückgehalten. Laut sprach ich einen Satz, die dieses oben zusammenfaßte: das Geschenk ist immer gegeben. Es war ein schönes, frommes Gefühl, von Gott geliebt, gelebt, und geatmet zu werden.

Plötzlich drückte eine enorme Kraft von oberhalb meines Kopfes durch mein Gehirn und mein Nervensystem herunter, mit solchem mächtigem Licht und Glück, dass ich auf meine Knie fiel und festgehalten wurde, körperlich überwältigt durch die fühlbare Helligkeit, so wie man von einem schrecklich kraftvollen Orgasmus überwältigt werden kann.

Ich keuchte mit Schluchzen der Liebe über die Kraft der Freude. Der Gott-Lust, die sättigende Fülle und die Berührung durch das Licht wurden so intensiv, dass ich glaubte, meine Knochen könnten brechen.

Als ich aufstand, hatte ich mich physisch geändert.

Und meine Meditationen änderten sich. Seit einigen Jahren hatte ich starke elektrische Wogen in meinem Nervensystem bemerkt während der Vipassana-Meditation. Ich hatte mich auf den Atem konzentriert und diese Regung des Kundalini meist ignoriert. Jetzt aber wurden meine Meditationssitzungen reine Energie-Workouts. Sogar so einfache Übungen wie die Verfolgung des Atems fühlten sich jetzt wie gekünstelte Selbst-Bemühung an. Vipassana war überholt.

Stattdessen würde ich sitzen und das Kundalini würde durch Kopf und Augen und Wirbelsäume flammen und mich herumwerfen wie einen wütenden Tänzer.

Ich lachte und weinte.
Ich knurrte.
Ich schrie.

Ich bildete spontane Intonationen, darunter auch mehrstimmigen Obertongesang wie die tibetanischen Gyuto-Mönche. Es war schmerzlich und unbeschreiblich glückseelig. Ich litt, war aber nicht imstande, auch nur einen Finger zu rühren. Ängstlich, aber nicht imstande, eine einzelne Reaktion zu bilden.

Ich wurde meditiert.

Ich wurde ständig der der Spannung um mein Herz, bewußt, der Spannung des Ich, das sich an mich selbst klammerte. Die Anwesenheit des Geistes war ein großer Strom geworden, und mein Elend war der Widerstand gegen ihn. Aber ich war unwillig, mein Leben vollständig zu opfern.

Dann, an einem Tag im Oktober 1993, war ich so erschöpft von der Anstrenung, den Tod meines Ich zu verhindern, dass ich mich auf mein Bett legte und sagte: Ok, ich gebe auf. Nimm mich, Geisteskrankheit, oder nimm mich, Gott, oder nimm icht, wer immer Du bist, mächtigen Fluß. reiß mich mit zu meiner Bestimmung.

Unerwartet fing ich an, das Gesicht zu verlieren. Panik kam stark auf. Ich verkrampfte zu einer Kugel wie ein Fötus. Ich wurde eine elektrisch summende Wolke aus Ego-Schmerz - und dann löste sich alles auf, und ich trat in das Licht und das Glück und die Freiheit des Ego-Todes ein. Hinter dem goldenen Licht in das freie Licht des Nichts:

  • kein Selbst,
  • keine Ding,
  • keine Grenzen.

Die Verzückung dauerte nur einige Sekunden, aber das war genug, zum zu sehen, dass alles in Ordnung war. Ich hatte Tod auftreten lassen, und es war nicht Vernichtung. Es war nur der Verlust einer eingebildeten begrenzten unechten Identität.

Ho!

Am nächsten Tag, betrat ich spontan das Nirvikalpa-Samadhi wieder, beim Einweichen in der Badewanne. Die Episode dauerte einige Minuten und war von Anfang an vollständig frei von Furcht. Das helle Vergnügen wurde einfach stärker, bis der Sinn für das getrennte Ich von Licht überwältigt wurde.

Von Oktober an betrat ich jedes Mal, wenn ich zum meditieren saß, die leuchtende Leere (und blieb manchmal bis zu einer Stunde im Samadhi). Es ist wie in tiefem Schlaf versinken und dabei hellwach bleiben. Es ist leuchtende Klarheit: traumloses Wachen, reines Bewußtsein ohne anderen Inhalt als sein eigenes nichterschaffenes Glück.

Satori

Nach ein paar Monaten dieser Art träumte ich an einem Abend im Januar 1994, dass ich auf einer Bühne vor Publikum war. Ein Sarg auf einem Gestell wurde gezeigt, und darin lag ich, mit dem Gesicht nach unten und nackt. Ein Showmaster war auf der Bühne, und es war klar, dass ich einen Entfesselungstrick in der Art von Houdini durchführen sollte: ich sollte mich befreien und aus dem Sarg entweichen.

Ich fing an zu glucksen: was war das Besondere daran? Ich war bereits frei. Der Sargdeckel war offen, und ich hatte von vorneherein keine Ketten oder Fesseln an mir. Ich stand einfach auf.

Dann hielt ich schöne blaue Perlen in meiner Hand, und der Showmaster forderte mich auf, sie so schnell, wie ich könnte, an einer Schnur aufzureihen. Ich fing an, die blauen Perlen aufzufädeln, da eine Uhr mit TV-Gameshow-Musik im Hintergrund tickte. Der Showmaster schrie: beeilen Sie sich, fädeln Sie so viele Perlen auf, wie Sie können!

Einige Sekunden fädelte ich die Perlen auf, aber dann stoppte ich und schaute zum Showmaster auf. Warum muß ich dies tun? Ich dachte nach. Dieses ist ihr Spiel, nicht meines. Ich schaute zum Publikum: alle Augen waren auf mich gerichtet. Ich lächelte die Leute an, verließ die Bühne und fing an, die blauen Perlen zu verteilen, eine an jede Person.

Dann wachte ich auf. Es war ein sonniger Wintermorgen in Tallahassee, Florida. Ich ging hinunter und setzte mich zur Meditation ... und dann ...

Es gab keinen Ort hinzugehen.

Ich schlenderte nach draußen in das Gehölz um mein Haus. Ich sah überhaupt kein Dilemma, drinnen oder draußen.

Keine Sache zu suchen.
Keine Erfahrung zu verdrängen.
Keine Begrenzung.

Ich war nicht ein Etwas, das zu irgendeinem Ort reisen könnte. Auf keine Weise konnte ich tiefer noch höher gehen. Ich platzte vor Lachen tief aus meinem Bauch:

Das ist es.

Was für eine Pointe! Ich dachte, der Moment des Satori würde nie enden. Aber am Nachmittag, als ich ging, meine Söhne von der Volksschule abzuholen, stellte ich fest, dass Satori auch nur ein Zustand ist. Er kommt und geht. Nichts dauert.

Und stell Dir vor: letztendlich interessiert es mich auch nicht. Ich bin nicht bestürzt, wenn das Ego erscheint oder wenn es verschwindet. Ich kämpfe nicht mehr mit dem Ego oder der Leere. Sie sind Zwillingsaspekte des Bewußtseins selbst. Ich ergreife überhaupt keine Partei.

Wirklichkeit ist nicht Samadhi, das Auslöschen aller Formen. Wirklichkeit ist selbst nicht Satori, der natürliche Zustand der Ego-Freiheit. Wirklichkeit ist überhaupt kein spezieller Zustand; keine besondere Verfassung. Wirklichkeit ist der Bereich aller möglichen Zustände, ihr Ursprung und die bedigungslose Grundlage, absolut offen und ohne Grenzen; reine Möglichkeiten. im wesentlichen hat sich nichts geändert und wird es auch nie, und das Verständnis, zu dem ich gekommen bin, war nur so: genau das.

Von einer bestimmten Perspektive kann es eine große Sache aussehen: ich habe mein eigenes Wesen verstanden, und es ist die Wirklichkeit (oder Buddha-Natur). Oder wie es der persische Dichter Omar Chayyām ausdrückt: ich selbst bin Himmel und Hölle.

Aber andererseits kaufen Buddha-Natur und ein Dollar mir eine Tasse Kaffee. Keine große Sache. Kein spezieller Status. Nichts besonderes oder außergewöhnliches.

Heute

Heute meditiere ich manchmal zum Vergnügen und als Erfrischung, wie einen köstlichen Tee zu trinken. Und gelegentlich erlebe ich spontan mystische Zustände während der Meditation ein. Allerdings ist nichts davon notwendig; und keins von ihm ist grösser als einfache Zufriedenheit. Samadhi oder kein Samadhi, Satori oder kein Satori, Ego oder kein Ego, da ist bereits kein Unterschied.

Nichts ist mehr als wundervoll. Dieser Moment ist wundervoll. Nichts ist mehr als Ganzheit. Dieser Moment ist vollständig.

Das ist so nah bei Gott wie man nur sein kann.

Wahrheit (oder Zufriedenheit) sind weder versteckt noch geheim, auch nicht subtil oder abstrakt; weder anderswo noch verschieden vom Strom des Lebens. Geburt, Änderung, Tod, alles ist das Gleiche. Es gibt nicht anders als helles Geheimnis.

Es braucht 22 angestrengte Jahre des geistigen Suchens von dem Moment, aks ich zuerst der Wahrheit begegnete, um schließlich die unaussprechliche Anmut unseres Zustandes anzunehmen.

Freund, hör, was ich sage: Das göttliche, das Du suchst, ist Deine eigene Identität, über aller Begrenzung hinaus. Also sei bereits glücklich. Vertrau auf Glück, leuchtend und klar. Glück ist der ganze Geist, das Licht, das real ist jenseits von Worten und Welten.

Mark Canter