Deutsche Wortneuschöpfungen

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Ich schreibe meist in der (Noch-)Amtssprache des Landes, in dem viele von denen wohnen, die schon länger dort wohnen. Die von denen, die von denen, die schon länger da leben, gewählt wurden, als Pack bezeichnet werden.

Ach reden wir nicht um den heißen Brei herum: ich schreibe auf Deutsch. So, jetzt ist es raus.

Und wenn ich Deutsch schreibe, verwende ich vorwiegend deutsche Wörter, auch wenn es anderssprachige Äquivalente gibt. Manchmal sogar dann, wenn die anderssprachige Entsprechung, tschuldigung, ähh ne, sorry, also wenn das anderssprachige Äquivalent, so ist's besser, gebräuchlicher ist als das deutsche Wort:

Deutsch (gebräuch­lichere)
englische Ent­sprechung
Denglisch
Händie Cellphone, Mobile phone Handy
Leistungs­merkmal Feature
Lesezeichen (sg.) Bookmark
Lesezeichen (pl.) Linklist
Netzpost, Elektropost Email
Schlaufon Smartphone
Verknüpfung, Verweis Link

Nach der Definition der Deutschen Gesellschaft zum Schutze der deutschen Sprachen vor Deutschen Wortneuschöpfungen sind das rechtsextreme Sprachcodes:

Wenn Ihnen […] in Texten die folgenden Worte begegnen, ist Vorsicht angesagt: Vermutlich kommunzieren hier Neonazis – oder zumindest Menschen, die mit Nazi-Ideologie Kontakt hatten:

[…]

Deutsche Wortneuschöpfungen für Begriffe aus anderen Sprachen:
[…]
- Epost (Email)
[…]
- Verweis (Link)

Puh! Bin ich jetzt ein Neonazi?

Machen wir den Schnelltest:

Merkmal vorhanden? Nachweis
Germanischer Name Personal­ausweis
Blaue Augen Personal­ausweis
Blonde Haare (Jugend-)Bild
flink wie ein Windhund × Sportnote im Zeugnis
Ledermantel × Blick in Kleider­schrank
Lederstiefel Beweisfoto
nutzt deutsche Fahne Beweis:
(Smiley mit wehender Deutschlandfahne)

Das sind starke Indizien. Aber kein Beweis. Da müssen Profis ran!

Deshalb hab ich mich beim Komitee gegen politisch unkorrekte Umtriebe denunziert.

Jetzt höre ich: Das größte Schwein im Land ist und bleibt der Denunziant!
Das sehe ich im Prinzip auch so, halte aber in dieser Ausnahmesituation eine (Selbst-)Denunziation für statthaft.

Denunziations-Status:

  • Bisher keine Reaktion;
  • Das Kommitee führte mich vor der Selbst-Denunziation nicht in der Liste rechtspopulistischer Webangebote.
  • Ob ich zwischenzeitlich aufgenommen wurde, kann ich nicht feststellen, denn die aktuelle Liste ist nur nach Anmeldung zugänglich.

    (Der letzte öffentliche Stand der Liste wurde dankenswerter von Sciencefiles.org zu Forschungszwecken gesichert.)

Solange die Unbedenklichkeit nicht amtlich festgestellt ist, sollten Sie sich auf meinen Seiten nur mit größter Vorsicht bewegen; das Risiko einer Infektion mit rechtsextremem Gedankengut lauert auch da, wo man es nicht vermutet.

Doch was mache ich? Wie erfahre ich, ob ich ein Neonazi bin?

Komm ich in die Liste?

Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage;
Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.


Nachtrag.

Die Frage ist beantwortet. Und zwar durch Dr. Margot Käßmann, makellose und über jeden Zweifel erhabene Expertin für Ethik und Moral. Sie bescheidet:

Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern:
Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.

Danke für die etwas verspätete, dafür aber fundierte Beantwortung meiner Frage.