Drohnen-Führerschein
Nachweis ausreichender Kenntnisse und Fertigkeiten zum Betrieb von Flugmodellen

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Da sitzen irgendwelche Politiker und Beamte und Juristen und denken sich was aus, was sie wem verbieten könnten, denken aber kein Stück darüber nach, wie man positiv etwas ermöglichen, gestatten, bequem machen könnten. — Hadmut Danisch

Wer in Deutschland eine Drohne ab 2 kg Gewicht starten möchte, braucht gemäß Luftverkehrsordnung eine Bescheinigung zum Nachweis ausreichender Kenntnisse und Fertigkeiten zum Betrieb von Flugmodellen. Ja, die heißt wirklich so. Und der von Herrn Danisch beschriebene Irrsinn setzt sich natürlich auch beim Nachweis ausreichender Kenntnisse und Fertigkeiten zum Betrieb von Flugmodellen fort.

Hier ein paar Gedanken zum galoppierenden Behörden-Irrsinn:

  • Die Online-Kurse:

    Die Verordnung fordert ausreichende Kenntnisse, definiert aber nicht, was ausreichend ist. Dies bleibt den Luftsportverbänden Deutschen Modellflieger-Verband e.V. und Deutschen Aero-Club e.V. überlassen, an welche Online-Kurse und die Ausstellung der Bescheinigungen delegiert wurde. Das führt natürlich dazu, dass die Kurse unterschiedliche Inhalte haben.

    Die Kurse sind so aufgebaut, dass man nicht durchfallen kann: Das Wissen wird in kleinen Häppchen vermittelt, die unmittelbar danach abgeprüft werden. Zum Bestehen reicht ein funktionierendes Minutengedächtnis; auch Frau Alzheimer, der sich am nächsten Tag nicht mehr an den Kurs erinnert, schafft das.

    Eine Lektion sieht (ein wenig übertrieben) so aus:

    Lektion 5:

    Sie müssen hundert Meter Abstand halten von:

    • Industrieanlagen,
    • Gefängnissen,
    • Militärische Anlagen,
    • Energierzeugung und -verteilung,
    • Einrichtungen mit Schutzstufe 4 der Biostoffverordnung.

    Wissenstest:

    Wovon müssen Sie hundert Meter Abstand halten?



    Und natürlich habe ich bei den drei Antwortmöglichkeiten beliebig viele Versuche. Ich könnte also problemlos ein Browser-Addon schreiben, das sich stateless und ohne KI mit Würfeln durch den Kurs mogelt.

    Bei einem der Kurse ist nach der richtigen Antwort auf eine der Lektionen es nicht mehr möglich, zu dieser Lektion zurückzublättern. Wissen auffrischen nicht vorgesehen. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Viel deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass es nicht um das Wissen, sondern nur um die Bescheinigung geht.

    Doch ich will nicht nur rummeckern. Was über ein halbes Dutzend Gesetze und Verordnungen verteilt ist und in den Kursen recht chaotisch in kleinen Happen serviert wird, habe ich an andere Stelle in hoffentlich übersichtlicher Form zusammengestellt.

  • Nachweis ausreichender Kenntnisse und Fertigkeiten:

    Ein Online-Kurs ist prinzipiell nicht dazu geeignet, Fertigkeiten zu vermitteln. Erst recht nicht dazu, diese abzuprüfen.

  • Der Betrieb von Flugmodellen ist im Umkreis von 100 Metern um Einrichtungen mit Schutzstufe 4 der Biostoffverordnung verboten.

    Die Biostoffverordnung listet Schutzstufe 4 als höchste Schutzstufe auf; Ich nehme an, dass damit die höchste Riskogruppe 4 geschützt wird:

    Risikogruppe 4: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist unter Umständen groß; normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.

    Urks, es geht also um Ebola und das Marburg-Virus. Da halte ich mich doch gerne fern.

    Doch wie bekomme ich raus, wo sich diese Forschungseinrichtungen befinden? Wenn ich bei der zuständigen Behörde (welche ist eigentlich zuständig?) mit Angabe meines berechtigten Interesses (ich will die Vorschriften einhalten) frage:

    Hey Mädels, wo bewahrt ihr das Ebola auf? Ich brauch das für meine Drohne!

    bekäme ich als Antwort eher nicht eine PDF-Datei, sondern einen nächtlichen Besuch durch ein SEK.

  • Ich brauche die Erlaubnis des Besitzer des Grundstückes, von dem ich das Flugmodell starte.

    Das ist nachvollziehbar. Doch ähnlich wie beim Marburg-Virus stellt sich die Frage: Wie bekomme ich heraus, wem der Acker gehört?

    Dafür zuständig ist das Kataster-Amt; dieses aber wahrt den Datenschutz und nennt mir den Grundstücksbesitzer nur, wenn ich ein berechtigtes Interesse nachweise. Der Wunsch, ein Flugmodell zu starten, ist natürlich kein berechtigtes Interesse.

  • Bei Landschaftsschutzgebieten ist die Nutzung in der jeweiligen Satzung geregelt.

    Und die muss ich in vielen Fällen vor Ort im Keller irgendeines Amtes einsehen.

Ergebnis.

Wir haben:

  • Kenntnisse, deren Inhalt nicht definiert ist;
  • Fähigkeiten, die nicht erworben wurden;
  • Regeln, die ich auch ohne Teilnahme am Kurs beachten muss;
  • einen Nachweis, den ich ohne Kenntnisse und Fähigkeiten bekomme;
  • Voraussetzungen, die ich wegen Datenschutz nicht erfüllen kann;
  • Verbote, die ich wegen Geheimnistuerei nicht befolgen kann;
  • Einschränkungen, von denen ich nur mit absurdem Aufwand erfahren kann.

Wir haben eine Nullnummer.

Allenfalls profitieren die Luftsportverbände, die mit einer recht banalen Webseite Erlöse im massiv 6-stelligen, vielleicht auch 7-stelligen Bereich lukrieren können. Ein Zyniker könnte das als Grund für die Bestehensgarantie sehen, da der Reibach nur bei bestandenen Tests fließt.

Ein Gewinn für die Sicherheit ist der Kenntnisnachweis jedenfalls nicht. Denn wenn jemand sowieso gegen Regeln verstoßen muss, um ihrem Hobby nachzugehen, dann kann sie auch gleich auf alle Regeln scheißen. Und das passiert natürlich in der Praxis: Bei Youtube finden sich in großer Zahl Aufnahmen von Drohnen, die außer Sichtweite betrieben werden und solchen, die Naturschutzgebiete überfliegen.

Man sollte Regeln so gestalten, dass sie – wie von Herrn Danisch formuliert – positiv etwas ermöglichen, gestatten, bequem machen, natürlich innerhalb klarer Grenzen.

Es sei denn, man ist Dr. Floyd Ferris im Roman Wer ist John Galt von Ayn Rand:

Die einzige Macht jeder Regierung ist die Macht, gegen Verbrecher vorzugehen. Wenn es nicht genug Verbrecher gibt, dann macht man sie. Man stempelt so vieles zum Verbrechen, dass die Menschen nicht leben können, ohne Gesetze zu übertreten. Wer wünscht eine Nation von gesetzestreuen Bürgern?
Aber man erlasse einfach Gesetze, die weder befolgt noch durchgesetzt noch objektiv ausgelegt werden können, und schon schafft man eine Nation von Gesetzesbrechern, und dann läßt man sich die Schuld bar bezahlen.

Möglicherweise arbeitet Dr. Floyd Ferris bereits in einer unserer Behörden.